Der Kommentar: Auch in der arabischen und muslimischen Welt waren in den letzten 96 Stunden alle Augen nach Paris gerichtet. Diesmal waren Regierungen und religiöse Institutionen schnell und dezidiert in der Verurteilung des Massakers gegen die Macher der Satirezeitschrift «Charlie Hebdo». Im Zentrum der Kommentare stand allerdings das Phänomen Terror und weniger der Angriff auf Demokratie und Medienfreiheit.

Der «11. September Frankreichs» fällt in eine Zeit, da auch mehrere arabische Länder im Fadenkreuz islamistischer Extremisten stehen. Ein tiefer Riss geht auch durch diese Gesellschaften. Islamistische Fundamentalisten mit totalitären Ideologien, die vorgeben, die einzige Wahrheit zu vertreten, kämpfen nicht nur gegen Muslime, sondern auch gegen Nicht-Muslime. Sie sind in den letzten Jahren stärker und nicht schwächer geworden. Jetzt geht die Saat auf, genährt durch Duldung und gar Unterstützung intoleranter Strömungen in vielen Ländern der Region.

Nötig sei eine religiöse Revolution, hatte der ägyptische Präsident Abdelfattah al-Sisi zum Geburtstag des Propheten am 3. Januar gefordert. Ganz konkret sprach er die Texte und Ideen an, die dem Dschihad, dem Heiligen Krieg, gewidmet sind. Wenn es nicht gelinge, einen toleranten, pluralistischen Islam einzuführen, werde der Islam schliesslich zerstört, warnte der weltliche Führer des grössten arabischen Landes. Um dem Terror den Boden zu entziehen, braucht es darüber hinaus demokratische, soziale, gesellschaftliche und wirtschaftliche Reformen in allen Ländern der Region. Man hat diese Absichtserklärungen schon nach dem 11. September 2001 gehört. Paris hat gezeigt, dass Lippenbekenntnisse nicht genügen.

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