Der Kommentar: «Was haben Sie eigentlich gegen linke Politiker?», fragte mich ein Beamter. «Persönlich nichts, sachlich einiges. Viele machen einen lausigen Job und wir bezahlen dafür.» Meine Lieblingslehrerin aus dem Gäu sagts noch deutlicher: «Die SP könnte ich fast kollektiv auf den Mond schiessen. Soziale Partei? Von wegen! Alles, was ein Grossteil der SP-Anbeter die letzten Jahre geschafft hat, war, die Familie und alle Sorten von Beziehungen und Eigenverantwortung zu schwächen, gar zu torpedieren. Man verkauft seine Grossmutter für ein Qualizertifikat, das belegt, welch leistungsstarker Mensch man ist. Der Preis dafür ist kein Thema. Wenn eine Partei die gesellschaftliche Zerrüttung zu verantworten hat, dann wohl am ehesten die SP. Zu Zeiten von Bodenmann und Hubacher war dem aber nicht so.» Die Lady war übrigens nie eine Verallgemeinerin, arbeitet zäh an der Front und ist alles andere als eine geist- und humorlose Motzerin.

Dass fast die gesamte Medienlandschaft eher linkslastig berichtet, wird stur bestritten. Es ist schier zum Lachen. Ohne nähere Prüfung der Parteinähe spricht das Wort für sich. Der öffentliche Sektor, die selbstgerechten Institutionen, der Politfilz und die verschlafenen Aufsichtsbehörden werden gehätschelt, reingewaschen und in Schutz genommen. Warum eigentlich? Es leben immer mehr Leute vom anstatt für den Staat. Durch die Millionen, die zahlreiche Medien für ihre Radio- und TV-Kanäle vom Staat bekommen, sind sie deutlich angepasster geworden. Wer beisst schon die Hand, die ihn füttert? Von oben kommt das Diktat – die unteren, die Verfasser, gehorchen. Es gibt Ausnahmen, zähe Recherchierer, doch sie sind dünn gesät. Die verständliche Angst, als Nestbeschmutzer und Ruhestörer hingestellt und ausgemustert zu werden, schreibt mit.

Unglaublich, fast angsterregend, fand ich die kollektive Berichterstattung in der Affäre Hildebrand. Der Täter wurde trotz klarer Verfehlungen und Millionenabfindung solidarisch reingewaschen und zum misshandelten Opfer verklärt. Die Bösen waren wieder einmal die Überbringer der Bad News und die Whistleblower, für die es nach wie vor keine unabhängigen Anlaufstellen gibt. Was der frühere Notenbankchef J. P.Roth oder Chefökonomen dazu sagten, wer zuerst unvertraulich agierte und was die eigentliche Aufgabe der Nationalbank ist, war – wenn überhaupt – nur im Kleingedruckten zu lesen. Es passte nicht ins Bild.

Transparenz ist für viele Behörden immer noch ein Fremdwort. Mit fadenscheinigen Argumenten wimmeln sie ab und schüren so Misstrauen und Falschberichte. Und dann kippts ins Politische. Sind wir ehrlich: Hätten die Linken die Missstände in der Nationalbank und deren Kontrollorgane aufgedeckt, wären sie als Helden in der Presse gefeiert worden und die Story wäre anders gelaufen. So aber dominierte schweinegrippemässig eine sinn- und faktenlose Hysterie und Abschreiberei, wo sämtliche moralischen Massstäbe verschoben wurden.

Ich wünsche mir mehr Meinungsvielfalt in der Presse, harte, aber faire Debatten mit sorgfältiger Analyse, wo Fragwürdiges sachlich, unparteiisch auf den Punkt gebracht wird. Es gibt mir kein gutes Gefühl, wenn die Medien immer mehr zu Plattformen und Hofberichterstattern der Politiker, der mächtigen Institutionen und deren PR-Büros verkommen. Vergessen wir nie, dass der echte Journalist der reinen Wahrheit verpflichtet ist. Natürlich hat jede Medaille mindestens zwei Seiten, aber wenigstens die müssten ernsthaft ausgeleuchtet und mit gleichen Ellen gemessen werden. Erst wenn das in diesem Land zur Normalität wird, kann eine vielschichtige, tolerante Meinungsbildung anstelle des dumpfen Schwarz-Weiss-Denkens erwachsen.

Es ist Zeit, die Ärmel hochzukrempeln, werte Kollegen! Der alte Slogan « Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing» darf nicht bis zur Selbstaufgabe praktiziert werden.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Miteinander-für-ein-stimmiges-Zusammenleben-kämpfen vor allem bei vielen gut gebildeten Mitmenschen in den Hintergrund getreten ist. Die politische Gesinnung ist eine Sache des Lifestyles geworden. Gerade als weitgereister Zeitgenosse, in Kulturkreisen sowieso, muss man ja fast auf der linken Seite Platz nehmen. Egal, ob die Mitte oder die Rechte bei genauerem Hinsehen tatsächlich fremdenfeindlich gesinnt oder bloss unseren Anspruch auf ein unbehelligtes Leben zu verteidigen entschlossen ist.

Ich habe die Menschen gern. Kinder, junge und alte aller Länder, den verschrobenen Lebenskünstler genauso wie den disziplinierten Brötlibäcker, dem ich mein feines Frühstück zu verdanken habe. Und dass wir weiterhin so friedlich nebeneinander Platz finden und jeder auf seine Weise zu seinem Recht kommt, dafür sollen sie einstehen, auf der linken ebenso wie auf der rechten Saalseite. Nicht mehr und kein bisschen weniger.

Die externen Kolumnisten und Kommentatoren des «Sonntags» äussern in ihren Beiträgen ihre persönliche Meinung.

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