Der Kommentar: Unsere Nachbarländer machen mobil. Seit vergangenem Freitag rät nach Frankreich und Tschechien auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Deutschland allen Betroffenen, die Silikonkissen vorsorglich entfernen zu lassen. Das ist gut so. Denn auch wenn ein erhöhtes gesundheitliches Risiko wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen ist: Es sind Fälle von Komplikationen eingetreten. Bei 20 französischen Frauen, die PIP-Produkte trugen, ist gar eine Krebserkrankung diagnostiziert worden. Doch angesichts der hohen Zahl der Implantate sagt das statistisch gesehen natürlich nicht viel aus.

Deswegen halten die Behörden und Fachverbände in der Schweiz immer noch die Flagge «no panic» hoch und verweisen darauf, dass es noch nicht genügend wissenschaftliche Nachweise für einen gesundheitsschädigenden Zusammenhang gäbe. Doch niemand weiss, wie sehr die Zeit drängt. Wir erinnern uns noch an die Todesfälle mit der Antibabypille Yasmin vor zwei Jahren. Auch damals erwog Swissmedic keinen Rückruf der Verhütungspille. Auch damals wiegelte Swissmedic ab und sprach von einem Einzelfall. Auch damals wurde «das Thema intensiv diskutiert».

Es wird noch lange dauern, bis die Beamten und Fachleute entsprechende neue Erkenntnisse erhalten. In der Zwischenzeit sterben die Frauen, die sich vertrauensvoll in die Hände von Ärzten begeben haben. Angesichts der Einschätzung der weiteren betroffenen europäischen Länder kann sich die Schweiz hier keinen Extrazug leisten.

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