Sie ärgerten sich über die Reaktionen auf den Zeitungsartikel, den ich geschrieben hatte: Militärköpfe und konservative Politiker witterten einen Skandal und kritisierten tagelang, Sie hätten eine «Extrawurst» erhalten. Wie jeder Schweizer müsse doch auch ein Tennisstar in die Armee.

Exakt sechs Jahre und fünf Wimbledon-Siege später kommt aus, dass Sie nun auch vom Zivilschutz befreit werden. Dies entgegen der Ankündigung des damaligen Verteidigungsministers Samuel Schmid, der gesagt hat: «Roger Federer wird anstelle von Militärdienst Zivilschutz leisten.» Das Programm stand bereits fest. Insgesamt zehn Tage lang hätten Sie Dienst leisten müssen. Daraus wird nun nichts.

Vielleicht werden jetzt wieder ein paar Kleingeister «Extrawurst!» schreien. Dabei muss man doch sagen: Zum Glück haben unsere Behörden begriffen, dass Sie im Tennisshirt Ihre Vaterlandspflichten längst erfüllt haben und dafür kein Zivilschutzgwändli mehr brauchen – auch wenn dies für uns Zeitungsmacher schöne Fotos gegeben hätte.

Sie haben mehr für das Ansehen der Schweiz getan als alle Aussenminister seit 1848 zusammen. In ausländischen Zeitungen kommt «Switzerland» häufig in Verbindung mit Steuerhinterziehung und Bankgeheimnis vor – noch häufiger aber in Verbindung mit Ihnen.

Diese Imagekampagne ist unbezahlbar. Das haben, so scheint mir, lange Zeit viele Schweizerinnen und Schweizer zu wenig geschätzt. Doch allmählich wird die wahre Dimension Ihrer Verdienste erkannt und gewürdigt. Vor allem, seit Sie vorübergehend die Nummer zwei waren und auch Schwächen zeigten.

Bald werden Sie Vater. Statt zehn Tage in den Zivilschutz zu gehen, können Sie sich in dieser Zeit nun Ihrer Familie widmen. Das kann man Ihnen, dem 15-fach gekrönten «King Roger», nun wirklich nicht missgönnen.