Der Kommentar: Die Bewegung scheint unaufhaltsam: Staaten und neuerdings auch Kirchen legitimieren die homosexuelle Ehe. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat sich für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ausgesprochen. Doch nicht einmal das scheint man in Teilen der Ortskirche Schweiz den Homosexuellen zu ermöglichen. Da wirkt für manch einen die Zulassung von gleichgeschlechtlichen kirchlichen Ehen in der anglikanischen Kirche der USA schon fast skandalös.

Denn die Ehe ist nach katholischem Verständnis ein Sakrament, das unauflöslich und bereits in der Schöpfung angelegt ist. So ist die Ehe ein von Gott gestifteter Bund, denn er erschuf Mann und Frau, damit sie einander «entsprechen» und füreinander sorgen. Lange Zeit wurde die Ehe auf die «Produktion» von Nachkommen reduziert. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) brachte in dieser zentralen Lebensfrage einen Paradigmenwechsel mit sich: Ehe ist nicht nur Fortpflanzung, sondern ein gegenseitiges Schenken und Annehmen, das in Treue und Liebe seinen Ausdruck findet. Sie ist eine «innige Gemeinschaft des Lebens und der Liebe» (Gaudium et spes 48). Kann so nicht auch eine homosexuelle Beziehung definiert werden?

Oft hört man heute noch das von den Zeitläufen längst überholte Argument, dass Ehe wesentlich darauf ausgerichtet sei, Kinder zu bekommen.
So wird die Ehe auf die reine Fortpflanzung reduziert, obwohl sie – glücklicherweise – wesentlich mehr Dimensionen aufweist. Wie steht es denn mit heterosexuellen Paaren, die unfruchtbar sind?
Ist ihre Ehe keine anerkannte Verbindung, obwohl die Kirche betonte, dass deren Ehe nicht an Wert verliert?

*Jacqueline Staub studiert katholische Theologie.

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