Und Moritz Leuenberger hat Ihnen sogar einen spöttischen Blog gewidmet: «Es ist ohne jeden Zweifel sehr aner-kennenswert, vom eigenen Ernteertrag den Zehnten zu opfern. Für echte Nachhaltigkeit braucht es aber vielleicht doch etwas mehr», schreibt er.

Die Damen und Herren Bundesräte sind sauer, weil Sie auf zehn Prozent Ihres Jahreslohns verzichten – und mit den 40 000 Franken eine Praktikumsstelle für einen Arbeitslosen schaffen. Damit haben Sie in den Kommu-nikationsstäben der anderen Bundesräte Krisensitzungen ausgelöst, hört man.

Dabei war es nicht mal Ihre Idee. Sondern die eines Journalisten der «Südostschweiz». Er fragte Sie: «Wären Sie bereit für eine freiwillige Lohnreduktion zugunsten von Arbeitslosen?» Das war vor zwei Wochen. Ihr «Ja» hat Ihre Kollegen nicht gestört. Denn damit gerechnet, dass Sie den Worten Taten folgen lassen, hat wohl keiner. Was man in Interviews so sagt, muss man nicht unbedingt auch machen.

Und nun tun Sie es einfach. Aber Vorsicht, die Kommunikationsstäbe Ihrer Kollegen haben Angriffspunkte gefunden. Effektiv würden Sie bloss auf 25 000 Franken verzichten, weil Sie ja nun Steuern sparen, heisst es.

Die Schaffung einer Praktikumsstelle sei nicht mal ein Tröpfchen auf den heissen Stein der Arbeitslosigkeit – die Auswahl des Stelleninhabers gar reine Willkür! Und über-haupt: Die Massnahme am Kollegium vorbei zu beschlies-sen, sei unerhört.

Diese Nörgelei haben Sie wohl erwartet. Es spricht für Sie, dass Sie es dennoch taten – und ein Zeichen der Solidarität gesetzt haben. Eigentlich ärgert Ihre Kollegen doch vor allem eines: Dass nicht sie selber auf diese Idee gekommen sind.