Der Kommentar: Lobbyismus ist ein Wort, das wir vor allem aus der Politik kennen und das uns den Durchblick erschwert: Wir wissen nicht mehr so genau, wer denn eigentlich die Macht ausübt. Sind es die politischen Würdenträger oder eher ihre Einflüsterer, genannt Lobbyisten? Inzwischen unterscheidet sich der Sport in dieser Beziehung nicht mehr stark von der Politik. Wir können zwar immer noch viele der Mächtigen im Sport erkennen. Wie beispielsweise unseren TV-Sportchef Urs Leutert. Er ist auch deshalb der Mächtigste im Land, weil bei ihm die Lobbyisten seit jeher nicht zum Zug kommen. Aber so klar und wahr wie im Geschäft um die TV-Rechte und Sendezeiten in der Sportabteilung unseres Staatsfernsehens ist unser Sport längst nicht mehr.

Am erfolgreichsten sind Lobbyisten bei uns dort, wo Funktionäre lukrative Jobs vergeben. Ohne Boshaftigkeit dürfen wir die Wahl unseres neuen Fussball-Nationaltrainers Vladimir Petkovic als Schulbeispiel für erfolgreichen Lobbyismus im helvetischen Sport bezeichnen. Der Agent (oder eben Lobbyist) von Petkovic kennt schliesslich den Verbands-General Peter Stadelmann seit sehr langer Zeit. Das hat gewiss nicht geschadet.

Wer hat nun tatsächlich Macht? Wer ist bei diesem heikelsten Personalentscheid unseres Fussballverbandes der mächtigste Mann? Peter Stadelmann, weil er die Wahl des Nationaltrainers orchestrierte und sich durchsetzte? Vinicio Fioranelli, weil er seinem Freund Petkovic geholfen hat? Oder Petkovic selbst, weil er den smartesten Lobbyisten hat? Gegen die Art und Weise, wie unser Nationaltrainer letztlich ausgewählt worden ist, gibt es rein juristisch nichts einzuwenden. Gute Beziehungen schaden nur jenen, die keine haben.

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