Der Kommentar: Die Bandscheibe! Der Rücken! Jahr für Jahr leiden 1,4 Millionen Schweizerinnen und Schweizer tage- oder sogar wochenlang derart unter Schmerzen, dass sie in Beruf, Schule, Studium oder Haushalt ausfallen. 1,4 Millionen Bürgerinnen und Bürger, die nachfühlen können, wenn FDP-Präsident Philipp Müller nach seinem Bandscheibenvorfall ankündigt, sich künftig schonen und weniger Termine als FDP-Chef wahrnehmen zu wollen.

Seine Freundin sage, Grund für die Schmerzen sei die Belastung durch das Präsidentenamt, so Müller am letzten Wochenende in der «NZZ am Sonntag». Er glaube jedoch, sein Leiden gehe auf einen Unfall zurück sowie auf das Tragen von 50 Kilogramm schweren Säcken während seiner Lehre als Gipser.

Es mag eine Ironie des Schicksals sein, dass nicht zum ersten Mal der Präsident jener Partei, die im Namen von Wachstum und Wohlstand am lautesten die Leistungsgesellschaft propagiert, aus Rücksicht auf die Gesundheit die Notbremse ziehen muss. 2005 erwischte es den damaligen FDP-Präsidenten Rolf Schweiger: Burnout! Er trat zurück.

Es mag Zufall sein, dass in diesen Wochen gerade Suizide von Schweizer Managern die Bevölkerung aufwühlen. In der Schweiz gilt zu Recht: Leistung muss sich lohnen. Dabei darf jedoch nicht verdrängt werden: Leistung kann auch schmerzhaft sein – physisch und psychisch.

Vielleicht denkt Müller daran, wenn er künftig im Namen der FDP Rentenaltererhöhungen fordert oder Kürzungen bei der Invalidenversicherung.

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