Der Kommentar: Ohne Englisch geht gar nichts mehr: Wir essen Cornflakes zum Frühstück und trinken dazu Coffee to go, wir fahren mit dem Leasing-Wagen zur Arbeit, ärgern uns über Spam-Mails auf dem Laptop und entspannen uns während der Happy Hour in der Bar nebenan. Und da hat die Bundesverwaltung nichts Besseres zu tun, als ihren Beamten zu befehlen, die deutschen Wörter für all diese Dinge zu benutzen? Zum Glück! Einer muss ja den Anfang machen.

Denn wer mit Anglizismen um sich wirft wie ein übermütiger Balljunge, der vergisst, dass mindestens ein Drittel der Bevölkerung dabei nur Bahnhof versteht. Er vergisst auch, dass ein weiteres Drittel die englischen Begriffe stilsicher falsch ausspricht. Und er vergisst vor allem, dass alle Schweizer Landessprachen vielfältig genug sind, um für jeden Anglizismus einen entsprechenden Ausdruck zu finden. Das braucht einen gewissen Ehrgeiz – natürlich ist es wesentlich bequemer, für alle technischen Neuerungen die englischen Begriffe zu übernehmen.

Aber es ist auch eine Kapitulation und ein Misstrauensbeweis gegen die eigene Sprache. Wir brauchen wieder mehr Ehrgeiz, wenn es um unsere Landessprachen geht, mehr Kreativität – und mehr Leidenschaft. Da ist es lobenswert, dass die Bundesverwaltung mit gutem Beispiel vorangeht.

Ich gebe zu: Es klingt wenig attraktiv und ziemlich umständlich, wenn wir zum Hacker Kennwortknacker sagen, zum Chatroom Plauderstube und zum Airbag Prallkissen. Aber warum soll nur die englische Sprache dafür griffige Namen finden – und nicht auch wir? Die deutsche Zeitung «Nürnberger Nachrichten» hat daraus einen Wettbewerb gemacht:

Sie stellt ihren Lesern jede Woche einen Anglizismus vor und fragt, was ein passender deutscher Name dafür wäre. Die Resonanz ist enorm. Das zeigt: Eigentlich liegt uns doch etwas an unserer Sprache. Worte wie Kindergarten, Heimweh und Waldsterben haben es vorgemacht: Sie haben sich im englischen Sprachgebrauch etabliert, schon vor Jahrzehnten. Da ist es an der Zeit, dass wir ein paar neue Wortkreationen in Richtung Englisch schicken. Let’s go, ähem. Los geht’s!