Der Kommentar: Beinahe wäre die Enthüllung über den grössten Datenklau der Geschichte geplatzt. Edward Snowden hat seine Enthüllungen an die Bedingung geknüpft, dass diese nur über eine abhörsichere Kommunikation erfolgen dürfen. Der «Guardian»-Journalist Glenn Greenwald war jedoch zunächst nicht in der Lage, verschlüsselte E-Mails zu schreiben und zu empfangen.

Dieser Vorfall deckt exemplarisch auf, wo beim weltweiten Netz der Hase im Pfeffer liegt. Wir schützen unser Haus wie selbstverständlich vor Einbrechern. Wenn es aber um Daten geht, dann lassen wir den Dieben die Türen weit offen. Eine Einladung, die Geheimdienste und Kriminelle schamlos ausnutzen. Selber schuld, denken sie sich.

Nicht zu Unrecht. Ob Berufsgeheimnisträger oder alltäglicher Benutzer von Internet und Smartphones: Sie googlen, mailen, telefonieren, sind auf Facebook und Twitter präsent – ohne sich um den Schutz ihrer Daten zu kümmern. Genauso verhält sich auch unser Bundesrat. Er gibt jedem Datenwunsch der USA nach – seien es Bank-, Biometrie- oder Passagierdaten. Und machen wir uns keine Illusionen, auch zwischen den Geheimdiensten läuft der Datenaustausch wie geschmiert.

Warum wir so nachlässig mit unseren Daten umgehen, ist ein Rätsel. Dabei wäre es ein Leichtes, sich wenigstens so gut wie möglich vor den Dieben zu schützen. Der Standard für E-Mail-Verschlüsselung wurde von westlichen Ländern vor über 20 Jahren erfunden. Die Schutz-Technologien sollten Menschen in Diktaturen helfen, ihre Meinungsfreiheit zu nutzen. Jetzt brauchen wir sie selbst – zum Schutz vor den Geheimdiensten.

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