Der Kommentar: Im Wallis rasseln 5,6 Prozent durch die Maturaprüfung, im Aargau lediglich 1 Prozent. Dümmer sind die Walliser Schüler deshalb aber nicht. Sie leiden nur darunter, dass jeder Kanton andere Leistungsanforderungen hat.

Die Ungleichheit beginnt früh: Schon die Aufnahmeprüfungen sind verschieden. Und danach siebt jede Schule so aus, wie sie es für richtig hält. Zum Beispiel fällt in St.Gallen jeder Fünfte vor der Abschlussprüfung aus der Klasse, während man andernorts schwache Schüler bis zum Schluss mitschleppt. Gerecht ist das nicht. Auch die Hochschulen wissen, dass beim Start des Studiums nicht alle auf dem gleichen Stand sind. Gerade in der Erstsprache und in Mathematik haben manche Mühe. Die Unis wollen deshalb bessere Vergleichbarkeit der Abschlussprüfungen. Wie in Deutschland, dort regelt das die Einheitsmatura, die 2014 nach langen Diskussionen auch in Österreich eingeführt wird.

So weit braucht die Schweiz nicht zu gehen. Allerdings würde ein einheitliches, strengeres Vorgehen während der Kantizeit wohl allen nützen. Kein Schüler will nach vier Jahren ein weiteres anhängen müssen, während seine Freunde einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Und schon gar nicht wollen sie mit leeren Händen dastehen. Wer früher durch die Maschen fällt, steht schneller wieder auf. Eine Berufslehre bietet genauso viele Chancen wie die Matura. Den Lehrern wäre damit ebenfalls geholfen. Viele sehen es als ihr persönliches Scheitern an, wenn einer ihrer Schützlinge den Abschluss nicht besteht. Wer früher Klarheit schafft, hilft damit auch sich selbst – ohne die Lehrfreiheiten zu verlieren wie bei der Einheitsmatura.

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