Der Kommentar: Die Medienpräsenz des Bären M13 ist phänomenal. Er verdrängt Polit-Themen wie den Syrienkonflikt auf die späteren Sendeminuten der «Tagesschau» und lockt sensationswitternde Reporter aus dem Unterland in die verschneiten Engadiner Wälder. Das Thema Bär bewegt jeden, und alle diskutieren mit. Eine Umfrage des «Blicks» ergab, dass eine deutliche Mehrheit der Leser mit dem Raubtier sympathisiert.

Und doch fällt nun immer öfter das Wort «Abschuss». Vor allem aus landwirtschaftlichen Kreisen melden sich solche Stimmen. Schafbauern haben Angst um ihre Tiere und fordern die Beseitigung des Räubers. Anstatt von den bewährten, vom Bund subventionierten Herdenschutz-Massnahmen Gebrauch zu machen, wettern sie über die nationale Wildtier-Politik und werfen dem Staat vor, dass er sie im Stich lasse.

Das ist Jammern auf hohem Niveau. Die Kleinvieh-Züchter der Gebirgsregionen gehören zu den Profiteuren der landwirtschaftlichen Direktzahlungen. Und für Tiere, die vom Bären oder vom Wolf gerissen werden, erhält der Bauer ausserdem eine finanzielle Entschädigung. Jährlich verenden rund 10000 Schafe in der Schweiz wegen Krankheiten, Unfällen und Abstürzen. Davon fallen gemäss Schätzungen nur 2 Prozent einem hungrigen Raubtier zum Opfer.

Bis zu Beginn des letzten Jahrhunderts war der Bär hierzulande beinahe ausgerottet. Nach Wiederansiedlungsprojekten in den italienischen Alpen kann das Tier nun auch wieder dorthin zurückkehren, wo er einst heimisch war: nach Graubünden. Er gehört in diesen Lebensraum – und ist auch eine Chance für den Kanton als Tourismusregion.

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