Der Kommentar: In zwei Dingen sind sich alle einig. Lara Gut brauchte einmal einen Denkzettel. Und die Suspension für zwei Rennen scheint überrissen. In einem andern Punkt herrscht ebenfalls Übereinstimmung: Niemand kann mit Überzeugung sagen, was die angemessene Strafe für Laras Disziplinlosigkeiten gewesen wäre.

Die Reglemente sind diffus und die Möglichkeiten eingeschränkt. Swiss Ski hatte schon immer Mühe mit solchen Sanktionen. Als
Pauli Accola wieder mal zu spät einrückte, erhielt er eine Busse von 10000 Franken – und verrechnete sie mit einer ausstehenden Pool-Gebühr. Und als er den Direktor in einer Kolumne als «fixfertigen Pausenclown» bezeichnete, passierte gar nichts.

Geniale Athleten haben oft einen eigenwilligen Charakter. Die Italiener brachten einst Alberto Tomba nie unter Kontrolle. Sein damaliger Trainer Sepp Messner sagte: «Es ist einfacher, einen Sack Ameisen zu hüten als einen Tomba». Er ruinierte mit seiner Eigenwilligkeit eine halbe Generation italienischer Rennfahrer. Solchen Entwicklungen muss Swiss Ski Einhalt gebieten. Auch das grösste Talent besitzt keine Narrenfreiheit. Deshalb ist es kein unwichtiges Detail, dass sich Nadja Kamer in der gestrigen Abfahrt in Val d’Isère als Zweite vor und nicht hinter Lara klassierte.

Der Schweizer Frauen-Skisport besteht nicht nur aus Lara Gut. Die künftigen Athleten-Verträge müssen einen Strafenkatalog mit genau definierten Abgrenzungen beinhalten. Damit es künftig keine Handgelenk-mal-Pi-Bestrafungen mehr gibt. Denn solche untergraben die Glaubwürdigkeit des Verbandes. Athleten und ihre Manager weigern sich, restriktive Verträge zu unterzeichnen.

Aber jetzt, wo Lara Gut beim Medien-Giganten Ringier unter Vertrag ist, Carlo Janka und Co. bei der Management-Agentur von Präsident Urs Lehmann und Didier Défago und Co. bei jener von Vizepräsident Jean-Philippe Rochat (30% Beteiligung) ist man ja beinahe «en famille». Da sollten doch sinnvolle Lösungen möglich sein – auch wenn diese Konstellation höchst delikat ist.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!