Mit Sicherheit überreagiert haben Politiker und Exportvertreter, die jetzt den Untergang beschwören. Der Walliser Hotelier und Ex-SP-Präsident Peter Bodenmann sprach von «Kopfschuss», Swatch-Chef Nick Hayek von einem «Tsunami für die ganze Schweiz». Hayeks Bild könnte unpassender nicht sein. Ein Tsunami löscht auf grossem Raum alles Leben aus. Was die Nationalbank gemacht hat, ist eher zu vergleichen mit dem kontrollierten Ablassen von Wasser aus einem Stausee, der überzuschwappen drohte – um zu verhindern, dass die ganze Staumauer bricht.

Auf 500 Milliarden Franken ist die Bilanzsumme der Nationalbank angeschwollen, weil sie endlos Devisen kaufen musste, um den 1.20er-Kurs zu halten. Diese Politik musste sie irgendwann beenden. Dass sie es tat, dafür sollte man dem Nationalbank-Direktorium gratulieren. Es hat seine Verantwortung wahrgenommen und im langfristigen Interesse der Schweiz gehandelt. Unser Land ist gut gefahren mit einer eigenständigen, starken Währung. Sie hat zur einmalig hohen Kaufkraft der Schweizerinnen und Schweizer geführt.

Natürlich wird es für exportorientierte Branchen und den Tourismus nun noch einmal schwieriger. Aber wer in den Dollar-Raum exportiert, kann dies heute zum selben Kurs tun, den wir vor zehn Monaten hatten. Und beim Euro hat die Wirtschaft einen Sturz von 1.65 auf 1.20 gemeistert, warum sollte sie nicht auch auf eine weitere Aufwertung reagieren können? Zudem ist der Zeitpunkt für die Kursfreigabe gut: Die Arbeitslosigkeit ist tief, es gibt 125 000 offene Stellen, wichtige Exportmärkte wie Deutschland und die USA brummen, die Wachstumsprognosen sind intakt.

Es wird, gewiss, einen Dämpfer geben. Aber der ist alleweil gesünder als die Fortsetzung einer Politik, die irgendwann zum grossen Knall geführt hätte.

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