Der Kommentar: Die Bauernfamilie Gutknecht muss den Hof verlassen. Der Milliardär stellt sie auf die Strasse. Angeblich weil er genug vom jahrelangen Streit des Bauern mit seinem Bruder um Pacht und Hof hat. Mein Verdacht ist ein anderer: Man hat genug vom Bauern, weil der Betrieb nicht mehr in den Millionenhügel passt und die Idylle der Reichen und Schönen stört.

Diese Vermutung wird durch die Nachbarn des Bauern bestärkt. Sie haben wegen des «Gestanks» des Hofes Unterschriften gesammelt. So erzählte es mir der Bauer. Was in Nussbaumen passiert, davon kann ich nach über 30 Jahren Landleben ein Lied singen. Als meine Kinder klein waren, habe ich einen Spielbus für sie und die Nachbarskinder auf die Wiese gestellt. Das hat mir zwei Einsprachen wegen drohendem Lärm beschert. Später sind dann die Städter gekommen. Diese störten sich an allem. Dem Quaken der Frösche in den Biotopen, dem Läuten der Kuhglocken. Ganz zu schweigen von den Katzen, die ihr Geschäft in den gepflegten Gärten verrichteten. Verflucht wurde der Bauer mit seiner Gülle, deren Duft der Wind zur frisch aufgehängten Wäsche trug.

Was mir auffällt: Die Toleranzgrenze gegen alles Störende sinkt seit Jahren. Mit Einsprachen, Reklamationen bis zu Anzeigen wird gegen alles vorgegangen, was die Ruhe und Idylle stört. Arme Schweiz, wenn spielende Kinder, Glocken tragende Kühe und quakende Frösche entweder als stinkender oder lärmender Störfaktor wahrgenommen wird. Vielleicht werben ja schon bald Einfamiliehaus-Verkäufer mit dem Slogan: «Voller Landlebe-Genuss. Den letzten Bauern und andere Störenfriede haben wir für Sie vertrieben.»

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