Der Kommentar: «Ich bin eine ‹lame duck›», sagte Alexander Pereira an der Bilanzmedienkonferenz. Mit «lahmer Ente» meinte er die Schwierigkeit, weiterhin Sponsoren an das Opernhaus zu binden. Doch in der derzeitigen Misere geht es nicht nur darum, sondern vor allem um die Frage: Wie lange soll ein Intendant ein Opernhaus leiten? Fehlen nicht auch Zuschauer wegen des «lame duck»-Effekts? Wartet Zürich nur noch auf etwas «Neues»?

Gar bei Ausnahmekönnern wie Gérard Mortier, einst Chef in Salzburg, zeigt sich: Intendanten haben eine künstlerische Idee, die sie in zehn Jahren ausgelebt haben. Im Idealfall ist der Intendant eine so charismatische Person, dass er das Theater zur Marke macht und der Gast voller Vertrauen blind bucht. Alexander Pereira schaffte es schnell, in Zürich einen Hype zu entfachen. Künstlerisch wie gesellschaftlich.

Künstlerisch aber hatte Pereira seinen Kreis nach 15 Jahren ausgeschritten. Heute zieht sogar sein Markenzeichen «Stars im Abo» nicht mehr. Er wiederholte sich, produzierte dennoch pausenlos weiter. Seiner oft zitierten «besten aller Welten» verdankte er dank Beteiligung am Sponsorengeld Millionen in die eigene Kasse. Ebenso schlimm für das Haus ist es, dass der Hype auf gesellschaftlicher Ebene verflachte – und das nicht nur wegen der Baustelle vor dem Haus.

Das «Lucerne Festival» hat im Ranking der Top-Kulturanlässe Zürich verdrängt. Gerademal knapp 4 Prozent läuft hier über Subventionen, den Rest des 25-Millionen-Budgets muss Intendant Michael Haefliger über den Kartenverkauf und durch Sponsoring hereinholen. Aber Achtung: Kommt Haefligers grösster Coup, die Salle Modulable, nicht bald zustande, dürfte sich auch der Kreis dieses Intendanten nach 10 Jahren schliessen. Falls er das begreift, wird man ihm 2017 mit weinenden Augen (nach Salzburg?) nachwinken. Zürich erlebt das Gegenteil: Gelingt es Pereira nicht, das Steuer selbst rumzureissen, geht seine Ära in einem Jahr zwiespältig zu Ende. Schafft er aber die Rettung ohne zusätzliche Subventionen, werden ihm bei Vorhangfall die Blumen nochmals entgegenfliegen.

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