Die Biografien dieser Männer – bestimmt kennen auch Sie solche Beispiele – halten sich nicht an die starren Altersvorgaben, die unsere Sozialwerke vorgesehen haben. Zum Glück! Darum ist unverständlich, wie die politische Diskussion zur Reform der Altersvorsorge auch heute, im Jahr 2012, verläuft. Spricht man einen Politiker auf das Thema Rentenalter an, wird er sofort wortkarg. Seit der damalige Bundesrat Pascal Couchepin vor neun Jahren mit seiner Forderung nach dem Rentenalter 67 einen Sturm der Entrüstung auslöste, wagt keiner mehr, die Wahrheit auszusprechen.

Die Wahrheit ist so einfach wie unbequem: Wir werden nicht umhin kommen, länger zu arbeiten. Die Kurven auf dieser Doppelseite, welche die Lebenserwartung anzeigen, sollten genügen, um das einzusehen. Dass auch bürgerliche Politiker, die sonst auf gesunde Staatsfinanzen und Sozialversicherungen bedacht sind, so tun, als könne man das Problem aussitzen, ist feige. Sie denken an die nächsten Wahlen und nicht an die Zukunft unserer Sozialwerke. Und unterschätzen dabei wohl ihre Wähler: Spreche ich mit Gleichaltrigen (ich bin 37), erwartet kaum einer, dass er schon mit 65 eine AHV-Rente erhalten wird. «Na und?», lautet der Tenor.

Je länger die Politik das Problem verschleppt, umso teurer wird es für die heute unter 50-Jährigen. Kreative Köpfe wären jetzt gefragt. Einfach die AHV-Grenze hinaufzusetzen, kann nicht die Lösung sein – es braucht neue Ideen. Swiss-Life-Chef Bruno Pfister schlug vor, dass jeder Arbeitnehmer bis zur vollen Rente 45 Jahre arbeiten müsse: Wer eine Lehre macht und früh ins Berufsleben einsteigt, würde mit vielleicht 63 pensioniert, Akademiker erst mit 70. Wäre das so schlecht? Es ist ein Armutszeugnis für die Politik, dass sie sich weigert, über solche Ideen nur schon zu diskutieren.

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