Der Kommentar: Am Montag hat der neue Touroperating-Chef seinen Job aufgenommen. Am Dienstag präsentierte Kuoni ein neues Online-Reisemagazin und eine Studie, die besagt, wie gut Beratungsgebühren akzeptiert werden. Und seit einigen Tagen prangen die neuen Werbeplakate am Strassenrand. Doch am Mittwochmorgen dann aus heiterem Himmel: Das 109 Jahre alte Unternehmen gibt den Verkauf seines Herzstückes bekannt. Kuoni wird für Privatkunden keine Reisen mehr organisieren.

Eine Notbremse zur Unzeit und eine fragwürdige Wertvernichtung: Mitten in die heisse Buchungsphase gibt Kuoni seine Verkaufsabsichten bekannt und wird damit Buchungswillige, obwohl die Reisebüros offen sind, verunsichern. Der Wert der sehr gut etablierten Marke, insbesondere im hochpreisigen Fernreise-Segment, leidet. Für die über 1000 passionierten Reisespezialisten von Kuoni Schweiz beginnt nun das grosse Bangen. Gibt es einen Käufer, der sowohl Touroperating als auch die 81 Reisebüros übernimmt und aufrechterhält?

Aus börsenrelevanter Optik mag der Verkaufsentscheid angesichts der jüngst bescheidenen Finanzergebnisse und des wachsenden margenarmen Online-Vertriebs Sinn machen. Doch diese Börsen-Gefallsucht hat dem Unternehmen im Innern zugesetzt. In den letzten 15 Jahren schaffte es Kuoni nicht, in eine nachhaltige Ablösung des veralteten IT-Systems zu investieren. Nun läuft zwar seit einigen Wochen mit Tango parallel zum alten ein neues System. Der Tanz erfolgt aber zu spät. Käufer wie möglicherweise Thomas Cook oder die Firma DER Touristik aus der REWE-Gruppe würden aus Synergie-Gründen das eigene IT-System einbringen. Der letzte Tango kommt zu spät.

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