Und das massiv: Zwischen 20 und 40 Prozent, wird intern kommuniziert. Früher sagte man an der Börse: Hat Amerika einen Schnupfen, so holt sich Europa eine Lungenentzündung. Heute höre ich abgewandelt den Spruch: Wenn Kuoni baden geht, droht den anderen Ertrinkungsgefahr.

Es ist nicht die Rezession, die diese Krise ausgelöst hat. Die Wirtschaftskrise hat den Prozess des totalen Umbruchs der Reise- und Tourismusindus-trie aber wesentlich beschleunigt. Keine Woche, in der nicht ein Reisebüro die Türen schliesst. Ganz einfach, weil ihm die wirtschaftliche Existenzgrundlage laufend wegerodiert.

Reiseprofis nennen das Ding beim Namen: «Das Internet war und ist unser Totengräber!» 2009 ist das Jahr, wo weltweit über 50 Prozent der Buchungen für Flüge und Hotels von Individualkunden direkt über das Internet vorgenommen wurden. Der Weg zum Reisebüro ist für sie höchstens noch der Moment des Prospektsammelns. Der Rest wird übers Internet getätigt. Ohne Reisebüro, notabene.

Die totale Durchsicht war bisher die Stärke der Profis, dass sie Ordnung in den Dschungel von Tarifen und Hotelpreisen brachten. Heute gibt es genügend Internetseiten, die den Reisewilligen für alle Reisen und Hotels die sofortigen Vergleichsmöglichkeiten liefern. Und auch jeweils die direkte Buchung ohne Reisebüro (und dessen Kommissionen und Bearbeitungsgebühren) ermöglichen.

Ich will hier nicht zum Schwanengesang der Reisebranche ansetzen. Reisebüros wird es immer brauchen. Aber immer mehr im segmentierten Bereich. Grosse geführte Ferienreisen, Spezialgebiete und anspruchsvolle Beratung. Aber für das braucht es keine riesigen Organisationen mehr mit hohem Personal- und Sachaufwand.

Zurück zu Kuoni. Solche Urgesteine der Tourismusbranche werden stark redimensionieren müssen. Der Weg ist vorgegeben, Kurzarbeit ist bestenfalls eine erste Zwischenstation. Sparen tut der Bilanz zwar gut, bringt aber keine neuen Erträge. Ich teile die Auffassung von weitblickenden Analysten, die auch den wahrscheinlichen Dividendenausfall bei Kuoni als einen ersten Schritt zur Gesundschrumpfung sehen.

Ein steiniger Weg, der von Anlegern viel Geduld und Mut abfordert.