Der Kommentar: In der Schweiz sind wir stolz auf unsere direkte Demokratie. Und doch staunte die Schweizer Journalistin diese Woche in Hamburg über die Worte des ersten Bürgermeisters Olaf Schulz. «Die Bürger wollten die Elbphilharmonie, sie zahlten sie und sie wird ein Haus für alle sein. Nicht nur ein Musentempel für die oberen Zehntausend.» Diese Idee des offenen Kulturhauses setzt Intendant Christoph Lieben-Seutter um: Neue Konzertformen, günstige Eintritte, Mitmach-Orchester sind nur ein paar seiner Programmpunkte.

Da fragt man sich: Wie steht es in der Schweiz? Und muss sich eingestehen, wir könnten in puncto Kultur-Demokratie von Hamburg lernen. Sind das KKL in Luzern, das Opernhaus Zürich oder die Tonhalle Häuser für alle? Nur bedingt. Zwar sind in den letzten Jahren in der Vermittlung an Kinder und Jugendliche Fortschritte gemacht und einige veraltete Konzert-Rituale aufgeweicht worden. Die günstigsten Preise in den grossen Konzerthäusern sind aber deutlich höher als ein Kinoticket (der Massstab der Hamburger). Dafür ist der Mut, ausserhalb der herkömmlichen Regeln zu programmieren, eher klein. Rockkonzerte in den ehrwürdigen Konzertsälen oder auch nur ein beherztes Einstehen für Neue Musik sind noch immer die Ausnahmen.

Die Schwellen deutlich abgebaut haben die Museen. Haben nicht auch deswegen die Bürgerinnen und Bürger hierzulande die Kredite für Neu- und Umbauten grosszügig bewilligt? Denselben Mut und dieselbe Grossherzigkeit darf man doch auch von den Intendanten, Museumsleiterinnen und Theaterdirektoren erwarten.

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