Der Kommentar: Es ist richtig, wenn die Schweizer Justiz Verfahren gegen 15 vorwiegend junge Muslime prüft, die mutmasslich gegen die Antirassismusstrafnorm verstossen haben. Antisemitische Ausbrüche auf der Strasse oder in den sozialen Medien sind durch nichts zu entschuldigen und durch die volle Härte des Gesetzes zu bestrafen. Unsere Gesellschaft darf antisemitische Äusserungen nicht tolerieren. Genauso wenig, wie sie Hetze gegen andere Minderheiten tolerieren darf.

Es darf nicht so weit kommen wie in Frankreich, wo der Judenhass kaum mehr Grenzen kennt, wo es in Pariser Vorstädten zu Angriffen auf Synagogen und jüdische Geschäfte kam. Oder wie in Deutschland, wo in einer beschämenden Offenheit gegen Juden gehetzt wird. Es ist im höchsten Mass bedenklich, wenn der deutsche Aussenminister Franz-Walter Steinmeier eine «Welle antisemitischer Hetze und Übergriffe» in seinem Land diagnostiziert. Nie darf die Gesellschaft vor dem Antisemitismus kapitulieren.

Diese Woche kam es in Zürich zu einer friedlichen Gegendemonstration. Rund 1000 Personen demonstrierten für das Recht Israels, sich zu verteidigen. «Wer eine bessere Lösung gegen die Raketen der Hamas hat, soll sich bitte melden!», sagte der israelische Botschafter Yigal Caspi. Kritik am überharten Kurs der immer weiter nach rechts abrutschenden Regierung Benjamin Netanjahus war an dieser Pro-Israel-Kundgebung nicht zu hören. Bei aller Nähe zum jüdischen Staat wäre eine grössere kritische Distanz der schweizerischen jüdischen Gemeinschaft zur Politik Israels nicht falsch.

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