Der Kommentar: Es scheint, als würde derselbe Film noch einmal abgespult. Im Frühjahr 2003 war der Schauplatz Bagdad, jetzt spielt sich das Drama in Damaskus ab. Zehn Jahre nach den Bomben auf Bagdad gibt es im Irak immer noch keinen Frieden. Im Gegenteil, die Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten flammt in diesen Wochen neu auf.

Auch diesmal deutet alles auf einen Militärschlag hin, der völkerrechtlich nicht abgestützt ist. Ethische und moralische Rechtfertigungen müssen herhalten. Und diese Standards definieren die Verfechter der Strafaktion gegen den syrischen Diktator selbst, allen voran die USA, die in Ägypten eben einen Militärputsch abgesegnet haben.

Nach den Irak-Erfahrungen und der Waffenschwemme aus Libyen wollen die Menschen und die Regierungen in Syriens Nachbarschaft auf keinen Fall eine weitere unkalkulierbare Militärintervention sehen. Deshalb hat auch die Arabische Liga ihre Unterstützung verweigert. Das Risiko eines Flächenbrandes ist diesmal ungleich höher als vor zehn Jahren beim Sturz Saddam Husseins.

Fragt sich, was überhaupt der Nutzen einer «limitierten» US-Militäraktion sein soll. Angesichts der verworrenen Lage auf dem syrischen Kriegsschauplatz tauchen bereits Spekulationen auf, ein schnelles Ende sei gar nicht gewollt, weil weder ein Überleben des Assad-Regimes noch ein Erfolg der mit al-Kaida liierten islamistischen Extremisten erstrebenswert seien. Dass amerikanische Marschflugkörper einen Syrien-Krieg schnell beenden könnten, dafür gibt es keine Anzeichen. Und dass die Lage noch explosiver wird, dafür sprechen die Erfahrungen der Vergangenheit und die bereits sichtbaren Spannungen in den Nachbarländern.

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