Der Kommentar: Die Hassliebe zwischen Schweizern und Deutschen erreicht mit dem Datenklau eine neue Eskalationsstufe.

SVP-Dauergrinser Toni Brunner verliert sein Markenzeichen im Gesicht und spricht in ernstem Ton von einer «Kriegserklärung» Deutschlands. Fehlt nur noch, dass Ueli Maurer die dereinst beste Armee der Welt schon mal präventiv an die Grenze stellt und die Kanonenrohre gegen Norden richten lässt. Von Basel bis Berlin befassen sich Talkshows, Podien und Kommentatoren mit vermeintlichen Bünzli und vermeintlichen Sauschwaben.

«Deutschen-Bashing wird salonfähig in der Schweiz», notiert die «Financial Times Deutschland» besorgt. Da macht es sich gut, wenn Wirtschaftsminister Rainer Brüderle schon mal sicherheitshalber ein Rückführungsprogramm für seine Landsleute anleiert.

Brüderles Projekt könnte sich zur Win-win-Situation entwickeln: Deutschland erhält seine bestens qualifizierten Fachkräfte – durch Schweizer Entwicklungshilfe noch weiter fit getrimmt – wieder zurück. Im Gegenzug würden sich dumpfe, nationalistisch gefärbte Gemüter in der Schweiz («Die nehmen uns die Jobs und die Wohnungen weg», «Deutsche Studenten sollen höhere Studiengebühren bezahlen») vielleicht ein wenig beruhigen.

Im Sinne der Merzschen Deeskalationsstrategie könnte weiter auf Deutsche im Land verwiesen werden, die uns stolz machen: von Schumacher über Reif bis Hitzfeld. Wir könnten deutsche Produkte loben: von Bier über Adidas bis zum «Tatort». Zu einfach, klar, denn eines ist in deutschen und schweizerischen Landen immer: Wahlkampf.

Doch um sich einer deutschen Redewendung zu behelfen: Jetzt mal halblang! Zugegeben: Wir mögen es nicht, wenn man mit viel Geld an viele Daten kommt, die wiederum viel Geld in die deutsche Staatskasse schwemmen sollen. Aber die Hellebarde darf getrost im Keller und der Schäferhund an der Leine bleiben.

Übrigens: Ich mag die Deutschen.