90 Schülerinnen und Schüler spielten und sangen («Stern vo Bethlehem»), die Badener Stadtkirche war voll. Die Kinderaugen leuchteten, und als dem Publikum am Ende mitgeteilt wurde, am Samstag würden nochmals zwei Vorstellungen stattfinden, flehte unsere Tochter: Da wolle sie unbedingt nochmals hin. Der Wunsch wurde ihr erfüllt.

Kerzen, Lieder und Weihrauch: Die Bildungsexperten, die am Schreibtisch den Lehrplan 21 abgefasst haben, schaudert es ob dieser Sinnlichkeit. Sie kippten Begriffe wie Krippenspiel und Weihnachten aus dem Lehrplan, stattdessen geben sie streng nun folgendes Lernziel vor (für die Stufe Kindergarten bis 2. Primarklasse): «Die Schülerinnen und Schüler können in kulturellen Zeugnissen und Verhaltensweisen religiöse Motive und Traditionen identifizieren und benennen.»

Das Motiv der Lehrplanverfasser ist schnell identifiziert: Sie wollen alle Religionen gleich behandeln, es gilt totale Werteneutralität (als ob es diese gäbe), es darf mitnichten sein, dass der Vater eines muslimischen Mädchens verstimmt sein könnte, weil sich dieses an der Schule ein christliches Weihnachtslied anhören oder – horribile dictu – gar mitsingen muss. Wenn der neue Lehrplan im Kapitel «Religionen und Weltsichten» denn ausnahmsweise mal konkret wird, dann nennt er im gleichen Atemzug mit Jesus beflissen auch Mohammed und Buddha.

Wohlgemerkt: Die Schule hat nicht die Aufgabe, Kinder religiös zu beeinflussen. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Ebenso wenig ist es Aufgabe der Schule, Kinder anderer Religionen mit unserer christlich geprägten Kultur zwangszuimpfen.

Doch nun wird der Bogen überspannt. Mit dem Bemühen, den Unterricht keimfrei zu machen, tut man vor allem denjenigen keinen Gefallen, um die es doch geht: den Kindern. Schon Pestalozzi schrieb, dass in der Pädagogik nicht nur der Kopf zählt, sondern auch das Herz und die Hand. Kinder wollen wissen, woher sie kommen, sie interessieren sich für Geschichte und Geschichten, für ihre eigenen Wurzeln und für die Ursprünge ihrer Kultur.
Und die ist hierzulande nun mal christlich geprägt.

Dem trägt der neue Lehrplan keine Rechnung. Er ist eine Kopfgeburt und sollte überarbeitet werden. Vielleicht geht es aber auch einfacher – und die Lehrer nutzen ihre Lehrfreiheit und freuen sich darüber, wenn Kinderaugen leuchten.

In diesem Sinn: Frohe Weihnachten!

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