Noch vor wenigen Jahren war Pelztragen tabu. Nun ist die Pelzindustrie zurück. Dieses Jahr dürfte gemäss den Importzahlen das beste seit über zwanzig Jahren werden.

Der Kommentar:
Der Philosoph Peter Singer ist ein unverbesserlicher Optimist. Von ihm stammt die These, der Mensch werde einen immer grösseren Kreis von Lebewesen ethisch behandeln. Erst waren es nur Blutsverwandte, später Mitglieder seiner Gemeinschaft, irgendwann sogar Tiere.

An dieser These zweifelt man beim Sehen von Dokumentarfilmen über die Pelzproduktion. Pelzträger rechtfertigen da ihr Kleidungsstück. Da glaubt man, es sei «nur» Fuchspelz, aber man weiss es nicht. Es riecht nach Hund, wenn es regnet. Man würde nie einen ganzen Pelz tragen. Aber ein pelziger Kragen ist irgendwie okay.

Tierschützer mögen darüber verzweifeln. Aber sie sollten sich damit abfinden: Solches Denken ist menschlich. Wir fällen die meisten unserer täglichen Entscheide, ohne die Fähigkeit zu rationalem Denken einzuschalten, wie Neurologen bestätigen. Die meisten Aufgaben bewältigen wir mit intuitivem Denken. Und das lässt sich austricksen.

Pelz als Verzierung sieht nun einmal auf den ersten Blick weniger abstossend aus als ein ganzer Pelzmantel. Und es ist nun einmal so, dass es Kunstpelz sein könnte. Was gegen Fuchspelz spricht, von Tieren, die angeblich sowieso getötet werden, erschliesst sich einem auf die Schnelle auch nicht. Und so ist es kein Wunder, dass der Pelz zu seinem Comeback kam.

Ebenso menschlich ist jedoch: das rationale Denken einschalten, einen überlegten Entscheid treffen, wenn das Signal eintrifft «Da stimmt was nicht». Dafür sind Dokumentarfilme über Tierfarmen zu empfehlen.

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