Der Kommentar: Aus rechtlicher Sicht scheint der Fall klar: An der Elfenbeinküste herrscht kein Krieg mehr, Olivier Cayo ist kein politischer Flüchtling, eine Rückreise in sein Heimatland ist zumutbar. Aus menschlicher Sicht jedoch ist der Entscheid, den 22-Jährigen auszuweisen, nicht zu begreifen.

Olivier Cayo hat sich in den fünf Jahren, in denen er hier lebt, mit grossem persönlichen Einsatz und viel Durchhaltewillen etwas aufgebaut. Die Schweiz, die Stadt Aarau, ist zu seiner Heimat geworden. Er hat Freunde gefunden, die Liebe, und viele Menschen, die ihn mögen und schätzen und nicht verstehen können, warum er nicht bleiben darf.

Olivier Cayo ist nicht der erste gut integrierte Asylbewerber, der einen wichtigen Teil seines Lebens in der Schweiz verbracht hat, sich hier eingelebt hat und nun ausgewiesen werden soll. Er wird wahrscheinlich auch nicht der letzte sein.

Dass jemand, dem in seiner Heimat keine Gefahr droht, kein Anrecht auf Asyl hat, ist verständlich. Dass Menschen zurückkehren können, wenn in ihrer Heimat kein Krieg mehr herrscht – was beispielsweise viele Kosovaren getan haben –, ist verständlich. Auch, dass wir nicht alle aufnehmen können, die hierher kommen, sei es, weil sie Schutz brauchen oder nach einem besseren Leben streben, ist verständlich.

Unverständlich ist, dass die Behörden im falschen Moment Konsequenz walten lassen. Ausgerechnet bei einem jungen Mann, der ein positives Beispiel für gelungene Integration und damit ein Vorbild für andere Migranten ist, setzt man die Paragrafen unerbittlich durch. Während andere, so scheint es zumindest, hier bleiben dürfen.

Er, der kein Krimineller, Dieb, Drogendealer, Raser, Schläger, Faulenzer oder Ungebildeter ist, wird ausgewiesen. Er, der diese Vorurteile gegenüber Asylbewerbern Lügen straft, soll nun gehen. Konsequent wäre es, diesem jungen Mann die Chance zu geben, sein erfolgreiches Beispiel in der Schweiz weiterzutragen und damit ein positives Signal an alle Migranten auszusenden.