Kolumne: Konkurrenzverbot

Wir sind Zeuge der Macht der Transparenz geworden. Ein grosses Schweizer Unternehmen hat auf Druck der Medien – die Medien würden sagen auf Druck der Öffentlichkeit – einen schon gefassten Beschluss des Verwaltungsrates rückgängig gemacht. Das ist nicht gut. Entweder war der VR-Entscheid von Anfang an falsch, oder das Unternehmen hat eine schwache Führung und lässt sich zu leicht von aussen beeinflussen. Es war einfach festzustellen, dass es nicht um die Sache ging, sondern um den Betrag von über 70 Millionen.

Konkurrenzverbote sind im internationalen Markt üblich, weniger bei uns. Hauptsächlich in den USA, wo ein härteres Konkurrenzklima herrscht, kommen sie oft zur Anwendung. Ohne diese Verträge könnte ein guter CEO mit seinen besten Mitarbeitern zur Konkurrenz wechseln oder ein eigenes Unternehmen aufbauen und seine alte Firma ruinieren. Das ist natürlich unterschiedlich von Branche zu Branche und eher gebräuchlich bei Unternehmen im Technologiesektor.

In der Finanz- und Beratungsbranche haben sich durch die Entwicklung der Technologie in den letzten Jahren die Besten schon längst selbstständig und unabhängig von Unternehmen gemacht. Ob dieses Konkurrenzverbot, mit dem wir uns den besten Teil der Woche genüsslich beschäftigt haben, sinnvoll gewesen wäre, kann nur das Unternehmen selbst, eben der VR, beurteilen.

Anscheinend war es das nicht, sonst hätte man es nicht so einfach wieder aufgegeben. Schade, denn jetzt wurde der Vox populi wohl Gerechtigkeit getan, aber der Staat ist der Verlierer: keine Einkommenssteuer und keine AHV. Ein stolzer Preis für unsere Belustigung. Zudem wurde der VR des Unternehmens mit 95 Prozent der Aktionärsstimmen entlastet, das sollte unseren Politikern zu denken geben, die sich da gewaltig getäuscht haben. Demokratie ist eben nicht nur, wenn es uns passt.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!

Artboard 1