Die Nachricht: Irland ist das erste Land der Welt, das die gleichgeschlechtliche Ehe in der Verfassung festschreibt. Das Volk stimmte deutlich ja.

Der Kommentar: Wenn die kontinentaleuropäischen Medien verwundert über das «erzkatholische Irland» berichten, das im Referendum für die gleichgeschlechtliche Ehe gestimmt hat, so zeigt das lediglich, dass ihr Irland-Bild aus dem vorigen Jahrhundert stammt. Die Grüne Insel ist ein modernes Land, das in vieler Hinsicht fortschrittlicher ist als so manches andere europäische Land. Iren galten schon immer als tolerant. Als Homosexualität bis 1993 noch ein Verbrechen war, sandten sie zum Beispiel den bekennenden Schwulen David Norris stets in den Senat. Und «The George», ein Pub für Schwule und Lesben in der Dubliner Innenstadt, besteht seit 30 Jahren und wurde von Anfang an auch von Heterosexuellen besucht.

Mit dem Ja zur Homo-Ehe sind die Iren nun einen Schritt weitergegangen. Es ist das Ende der gönnerhaften Toleranz. Ab jetzt sind Schwule und Lesben integrierter Bestandteil der irischen Gesellschaft. Auch in den ländlichen Gegenden im Nordwesten der Insel. Die Spaltung zwischen dem urbanen und dem ländlichen Irland, über die in den vergangenen vier Jahrzehnten so viel debattiert wurde, gab es diesmal nicht.

Die Toleranz der Iren sorgte dafür, dass viele junge Leute seit den 70er-Jahren ein Coming-out gewagt haben. Viele ältere Menschen, die konservativ eingestellt sind, wurden mit einem schwulen Sohn oder Nachbarn, einer lesbischen Enkelin oder Jugendfreundin konfrontiert. Bestes Beispiel ist die ehemalige Staatspräsidentin Mary McAleese. Sie ist gläubige Katholikin und hat einen schwulen Sohn. Deshalb rief sie ihre Landsleute zum Ja auf. Irland kann stolz auf
sich sein.

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