Der Kommentar: Im medialen Windschatten des politischen NZZ-Sturms und des rhetorischen Schawinski/Thiel-Wetterleuchtens hat der traditionsreiche Ringier-Konzern den Verkauf seiner Seele angekündigt. Denn nichts weniger ist das angesagte Joint Venture mit dem deutschen Springer-Konzern.

Der Zusammenschluss ist nicht nur ein weiterer bedeutsamer Schritt im Konzentrationsprozess in der Schweizer Medienlandschaft, er ist auch die doppelte Vollendung jahrzehntelanger Geschichten, die in dieser Zeit Hunderte von Schlagzeilen generierten.

Zum einen: Mehrfach hatte Ringier versucht, sich den ebenfalls in Zofingen entstandenen Jean-Frey-Verlag einzuverleiben. Bereits 1987 schien die Übernahme perfekt, sie scheiterte im letzten Moment. 2002 waren die Vorverträge unterzeichnet – und wieder misslang die Übernahme. Die Jean Frey fiel stattdessen in die Hände von Tito Tettamanti, der sie dann teuer dem Axel-Springer-Verlag verkaufte.

Zum anderen: Die Bande zwischen Ringier und Springer waren schon immer eng. Sie hätten dieselbe Kern-DNA, sagt Springer-Chef Mathias Döpfner. Springer half Ringier bei der Lancierung des «Blicks». Es gab Episoden, da wollte Springer Ringier kaufen, und solche, da war es umgekehrt. «Springier» war zeitweise ein politischer Kampfbegriff gegen die Übermacht einzelner Konzerne. Mittlerweile haben beide ihren publizistischen Einfluss verloren und gebärden sich als Teil der Unterhaltungsindustrie.

Nun hat sich gefunden, was sich lange suchte. Doch wer hätte noch vor wenigen Jahren gedacht, dass die Aufgabe von Ringier als grossem Schweizer Medienakteur weniger Beachtung findet als der Hahnenkampf zweier Gockel in einer TV-Sendung?

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