Der Kommentar: Der Reflex ist immer derselbe. Nach einem tragischen Unglück mit Kindern verlangen Politiker und Interessengruppen «Massnahmen», «Richtlinien», «Gesetze». Das ist erst mal verständlich: Unsere Gesellschaft soll alles tun, damit Unfälle wo immer möglich vermieden werden. Doch nicht alles, was gut gemeint ist, ist auch gut.

Im Fall des 14-Jährigen kennt man die Ursache des Unglücks noch nicht. Obwohl noch viele Fragen offen sind, wird der Lehrer zum Schuldigen gestempelt, und der Ruf nach neuen Vorschriften für Schulausflüge ist schon da. Das liegt in der Logik dessen, wie unsere Gesellschaft heute Verantwortung sieht: Nicht der Einzelne trägt die Verantwortung für sein Handeln, sondern der Staat, hier die Schule.

Bei einem tödlichen Unfall ist dieser Reflex noch nachvollziehbar, leider greift er aber auch im Kleinen. Seit einer Woche gelten in den Stadtzürcher Kinderkrippen Vorschriften für die Benutzung von Bobby-Cars, nachdem zwei dreijährige Knirpse mit solchen Plastikautos gestürzt sind und sich Risswunden zuzogen. Eine Thurgauer Gemeinde fällte einen Baum auf dem Schulareal, weil das Hinaufklettern zu gefährlich sei. Und eine neue Verordnung verlangt, dass Kinder unter 7 Jahren nur noch in Begleitung Erwachsener Trottinett fahren.

All das ist gut gemeint, unterminiert aber das Verantwortungsbewusstsein der Kinder und der Eltern. Wer weniger Unglücke will, muss nicht jedes Risiko ausschalten, denn es tauchen immer wieder neue auf. Sondern darauf hinarbeiten, dass Kinder mit Risiken umzugehen lernen.

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