Der Kommentar: Mit der Lancierung einer freiwilligen Selbstverpflichtung wollen die Schweizer Grosskonzerne anscheinend Gutes tun. Sie möchten künftig Kinder unter zwölf Jahren vor der eigenen Produktewerbung im Fernsehen, auf Onlineportalen und in Printprodukten schützen. Wohl auch deshalb, weil die Zahl der übergewichtigen Kinder hoch ist. Und weil sie in dieser Debatte mit ihren Produkten immer wieder ins Visier von Kritikern geraten. Darauf reagieren die Unternehmen und setzen ein Zeichen.

Das neu lancierte Versprechen ist bestimmt gut gemeint. Jedoch macht es stutzig, wenn Unternehmen, die sich selten mit wohltätigen Aktivitäten profilieren, selbstlos engagieren. Deshalb sind die Bedenken des Konsumentenschutzes berechtigt: Zwar wird die Einhaltung des Aktionsversprechens von einer unabhängigen Stelle kontrolliert.

Die Frage ist aber: Was passiert, wenn die Konzerne gegen die Regeln verstossen, die sie sich selber gemacht haben? Nämlich nicht viel – ausser, dass sie den Partnerstatus des eidgenössischen Förderprogrammes «actionsanté» verlieren könnten. Ob das aber reicht, ist fraglich.

Werbung für Kinder ist problematisch. Das aktuelle Beispiel der «Nanomania»-Aktion der Migros beweist, wie leicht der Spiel- und Sammeltrieb der Kinder geweckt werden kann. «Kinder haben wenig Lebenserfahrung und sind damit leichter manipulierbar. Diesem Umstand müssen die Werbetreibenden sorgfältig und verantwortungsbewusst Rechnung tragen», fordert auch Nadine Borter, Werberin des Jahres.

Denn: Kinder sind keine Konsumenten. Sie können nicht einordnen, welche Bedürfnisse die Werbung in ihnen weckt – und sich nicht dagegen wehren. Dies auszunutzen, ist verwerflich. Es sollte schliesslich immer noch vor allem ein Entscheid der Eltern sein, was für ihre Kinder gut ist oder nicht.

Das Engagement der Konzerne ist ein Schritt in die richtige Richtung. Doch Kinderschutz sollte mehr Priorität haben als Vertrauen in freiwilliges Engagement. Die Gesetzgebung in der Schweiz lässt noch immer zu viele Lücken offen, um Kinder als Zielgruppe zu benutzen. Deshalb braucht es endlich verbindliche Regeln – nur sie schaffen Sicherheit.