Der Kommentar: Wir hausen abgeschlossen in unseren Bergtälern, leben still für uns von «Chäs u Brot» und den Batzen, die wir für allerlei Gauner verwahren und nicht besteuern. Vor der Türe hängt das Schild «Bitte nicht stören». Isolationistischer als Amerika in den Zeiten des Alkoholverbotes und konservativer als Spanien während der heiligen Inquisition.

Dies Bild unseres Landes haben in den letzten Wochen viele politische Kommentatoren gemalt. Wenn nur ein Körnchen Wahrheit darin liegt, erübrigt sich die Wahl zum Sportler des Jahres. Weil es nur einen Sportler gibt, der von diesem kuriosen Volk gewählt werden darf: Kilian Wenger, König der Schwinger. Die Sagengestalt aus dem Oberland, die unseren Gründungsmythos ins 21. Jahrhundert hinübergerettet hat. Im Wesen und Wirken, als sei er einem Gemälde von Ferdinand Hodler entstiegen. Der Wilhelm Tell in Zeiten der EU, der sich mit seiner Geschicklichkeit und überlegenen Körperkraft zum König emporschwingt. Aber nur für drei Jahre. Denn unser rebellisches Volk lässt sich ja nicht regieren, nur verwalten.

Bei diesem Volk müssen Federer und Ammann chancenlos sein. Der Federer arbeitet ja fast nur im Ausland und in kurzen Hosen, er wird von Ausländern über alle Massen gerühmt und nimmt wahrscheinlich auch Geld von Ausländern, vielleicht sogar von Arabern und Chinesen. Da kann etwas nicht ganz koscher sein. Schliesslich hat der Hodler auch keine Tennisspieler gemalt und der Gotthelf nicht über Wimbledon, Flushing Meadows und Roland Garros geschrieben. Sondern über Schwingen und Hornussen.
Der Ammann ist zwar ein sympathischer Sportler. Er könnte einer der sechs Kummerbuben sein, und die waren ja Schweizer. Aber auch er ist verdächtig viel im Ausland und hat Umgang mit Ausländern. Und dann so hoch fliegen! Dabei hat uns doch Bruder Klaus schon geraten: «Machet den Zaun nicht zu weit!» Er meinte damals auch den Luftraum. Unser Sportler des Jahres ist also Kilian Wenger. Und was ist, wenn dieses seltsame Volk doch den Federer oder den Ammann zu seinem Sportler des Jahres wählt? Na ja, dann sollten einige politische Analysen der letzten Wochen neu geschrieben oder ein wenig justiert werden.