Der Kommentar: Ein Phänomen wissenschaftlich zu untersuchen, um es genauer zu verstehen, ist immer sinnvoll. Erst recht, wenn es sich dabei um ein Vorkommnis handelt, das für unser soziales Leben zentral ist. Das sind Computerspiele: 90 Prozent aller Kinder in den USA spielen Games, der durchschnittliche Spieler ist indes bereits 33 Jahre alt. Computerspiele haben unsere Gesellschaft als neues Unterhaltungsmedium längst durchdrungen.

Auch wenn man den Einfluss von Gewaltspielen noch so genau untersucht – einen nächsten Amoklauf wird man dadurch nicht verhindern können. Denn so viel weiss man bereits: Der Zusammenhang zwischen dem Konsum von gewalthaltigen Spielen und aggressivem Verhalten ist im Vergleich zu häuslicher Gewalt oder Alkohol gering.

Will man den Zusammenhang von Games und Gewalt weiter untersuchen, so geht es darum, das komplexe Verhältnis zwischen Spieler und Spiel jenseits eines zu kurz greifenden Reiz-Reaktions-Schemas in den Fokus zu nehmen. Denn ein und dasselbe Spiel lässt sich unterschiedlich spielen: Der Spieler entscheidet in vielen Games selber, wie er sich in der virtuellen Welt verhalten will – ob moralisch oder unmoralisch. Dieser Aspekt interessiert zunehmend auch die Moralpsychologen und Ethiker. Das ist begrüssenswert, weil die Forschung über Computerspiele so an Tiefe gewinnt.

Alle Forschung aber trägt wenig zu einem sinnvollen Umgang mit dem Unterhaltungsmedium des 21. Jahrhunderts bei, wenn sich die Eltern nicht mit dem Medienkonsum ihrer Kinder abgeben.

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