KEINE KARTOFFELSÄCKE FÜR BERN

Es ist bis heute nicht klar, ob der Satz wirklich von ihm stammt. «Für eine Million mache ich aus einem Kartoffelsack einen Bundesrat.» Diese despektierliche Bemerkung wird Oberst und PR-Berater Rudolf Farner zugeschrieben, fälschlicherweise zuweilen auch Klaus J. Stoehlker. Farner hat das Geheimnis, ob er den Satz gesagt hat, mit ins Grab genommen. Er würde staunen, was für ausgewiesene Kandidatinnen und Kandidaten heutzutage in den Bundesrat drängen. Ob bei der FDP der Berner Unternehmer Johann Schneider-Ammann oder die St. Galler Regierungsrätin Karin Keller-Sutter. Ob bei der SP Jacqueline Fehr aus Winterthur oder Simonetta Sommaruga aus Bern, die es jedoch bei einer Wahl Schneider-Ammanns schwer hätte. Oder Eva Herzog aus Basel.

Eva wer? Die Basler Finanzdirektorin gerät nach dem Rückzug von Anita Fetz in den Fokus. Herzogs Bekanntheitsgrad wird schlagartig steigen, wenn sie sich zu einer Kandidatur entscheidet. Claude Janiak – der kluge und auf Konsens besonnene Ständerat – wäre auch eine gute Wahl. Beide überlegen sich ihre nächsten Schritte. Es ist zweifellos Zeit für einen Bundesrat aus Basel. Die Region hatte bisher erst drei Bundesräte, zuletzt Hans-Peter Tschudi. Doch das ist 37 Jahre her. Basel braucht eine Stimme in der Landesregierung. Aus der Region, die 300000 Menschen aus dem In- und Ausland Arbeit bietet. Nicht nur in der Pharma-Industrie, die zur vornehm klingenden Life Sciences mutiert ist.

Ich bin ein Zürcher und mag Basel. Die Stadt am Rheinknie pulsiert und ihr Kulturangebot ist grandios. Auch wenn die Liebe beim Fussball aufhört. Die Rivalität zwischen den Zürchern und den Baslern ist so legendär wie die Werbeslogans der Städte hohl sind: «Little big city», «Basel tickt anders». Bei der Nachfolge von Hans-Rudolf Merz und Moritz Leuenberger spielt jetzt auch der Kantönligeist. Was in der Regel negativ behaftet ist, hat nun aber nachvollziehbare Gründe. Schneider-Ammann täte Bern gut. Herzog täte Basel gut. Beide täten der Schweiz gut. Allen Plan-, Rechen- und Ränkespielen der anderen Parteien zum Trotz.

Rudolf Farner könnte stolz darauf sein, wer sich heute in den Dienst der Schweiz stellen will. Ob in Bern, Basel oder Zürich. Ob Mann oder Frau.

Artboard 1