Damals waren diese Länder noch weit entfernt von gewalttätigen Protesten und Volksaufständen. Darum reagierten Politiker und Fachleute entsetzt: Der deutsche Militärexperte Lutz Unterseher sagte, eine solche Bedrohung heraufzubeschwören, sei «nahezu verrückt». Worauf der Armeechef konterte: «Mit dem Verrücktsein kann ich leben.»

André Blattmann ist nicht verrückt, Bundesrat Ueli Maurer ebenso wenig. Dass jetzt sogar der Bundesrat selbst die neue Bedrohungslage zum Thema macht, zeigt, wie ernst man sie nehmen muss. Rückblickend stellen wir doch fest: Leider hat Blattmann mit seiner «Risikokarte» recht bekommen, die Lage in den fünf EU-Staaten hat sich seither zugespitzt.

In Griechenland und Spanien gab es in den vergangenen zwei Wochen Streiks und Gewaltausbrüche. Auch in Rom kam es zu Zusammenstössen zwischen der Polizei und Demonstranten. Das Volk rebelliert gegen die Spar- und Abbaumassnahmen, die jeden einzelnen Bürger unmittelbar treffen: weniger Rente, höhere Steuern, tiefere Löhne für die, die überhaupt noch Arbeit haben. Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt je nach Region mehr als 50 Prozent.

Die Augen öffnen müssen uns auch Aussagen des griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras. Er warnte vorgestern Freitag vor Verhältnissen, wie sie in Deutschland vor der Machtergreifung der Nazis herrschten. «Die griechische Demokratie steht vor ihrer vielleicht grössten Herausforderung», sagte Samaras. Extremistische Parteien haben dort Zulauf wie noch nie.

Panik wäre fehl am Platz. Wie weit die Krise in der EU die Sicherheit in der Schweiz überhaupt betrifft, weiss niemand. Doch gerade wegen dieser Ungewissheit muss sich die Armee auf jedes erdenkliche Szenario vorbereiten. Die jüngsten Krawalle in Athen, Madrid und Rom zeigen: Blattmann und Maurer verbreiten keine Hirngespinste.

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