Der Kommentar: Rasend schnell folgen auf die Unfallnachricht die empörten Kommentare – gegen die «absolut verantwortungslosen Alten» am Steuer. Und auch die Forderung nach einem Gesetz, das Autofahren ab 80 Jahren verbietet, lässt in den Online-Foren nicht lange auf sich warten.

Auch die Strassenverkehrsopfer-Stiftung Roadcross setzt sich für strengere Kontrollen von Autofahrern im fortgeschrittenem Alter ein. Roadcross argumentiert, dass das Sichtfeld mit steigendem Alter enger wird und auch die Reaktionsfähigkeit abnimmt. Gemäss einer Studie des Verkehrs-Clubs Schweiz haben die über 80-jährigen Lenker pro gefahrenen Kilometer gegenüber den 40- bis 65-Jährigen ein 14-faches Verletzungsrisiko.

Deshalb ist es richtig, dass Personen ab 70 alle zwei Jahre eine Fahreignungsuntersuchung beim Arzt absolvieren müssen – so wie das heute vorgeschrieben ist. Forderungen darüber hinaus, wie ein generelles Verbot ab einem bestimmten Alter, sind jedoch vorschnell. Einzelfälle wie derjenige von dieser Woche rechtfertigen keine Kollektivstrafen. Immerhin fahren die allermeisten Rentner einwandfrei und verursachen weniger Verletzte als die ganz Jungen.

Man würde besser darüber nachdenken, was man im familiären Umfeld dazu beitragen kann, dass niemand mehr ins Auto steigt, der ein Sicherheitsrisiko ist. Vielleicht wird der eigene Vater die Kritik am Fahrstil nicht gerne hören – aber dann doch das «Billett» abgeben. Und auch die Ärzte haben eine Verantwortung: Die Fahreignungsuntersuchung darf keine Formsache sein.

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