Antwort von Oswald Grübel: Die angelsächsischen Medien überschlagen sich mit Schadenfreude über die UBS und die Schweiz. Wir waren ihnen schon immer ein Dorn im Auge: Endlich scheint bewiesen zu sein, dass die Schweizer Banken doch schlechter sind als die eigenen. Was ist passiert?

Die UBS hat für rund 1,5 Milliarden Dollar mit den Schweizer, US-, britischen und japanischen Regulatoren eine Einigung getroffen in Sachen Libor-Manipulationen. Eine Strafe, die trotz kursierender Gerüchte so nicht wirklich erwartet worden war – dreimal höher als jene, die zuletzt eine englische Bank bezahlen musste. Ausserdem wird die Staatsbank ZKB von den Amerikanern angeklagt, sich unrechtmässig mit amerikanischen Steuerpflichtigen verhalten zu haben.

Wenn man dazu noch das Scheitern der Steuerabkommen mit Deutschland und anderen EU Staaten zählt, könnte man durchaus an eine Verschwörung gegen die Schweiz glauben. Wir müssen uns aber schon fragen, was wir falsch gemacht haben. Auf der einen Seite sehen wir aus wie der Prügelknabe, der sich nicht wehrt, auf der anderen als hätten wir uns selbst ans Messer geliefert. Die Kronzeugenregelung der UBS im Libor-Fall scheint nicht funktioniert zu haben. Die Regulatoren wussten seit Jahren, dass Libor manipuliert werden kann, haben aber erst jetzt etwas dagegen unternommen. Und natürlich spielt in diesen grenzüberschreitenden Fällen auch die Politik mit.

Der ZKB-Fall liegt etwas einfacher, aber nicht besser. Als die UBS alle ihre US-Kunden wegschicken musste, hätte jedem, auch der Finma, klar sein müssen, dass diese nicht einfach samt Kundenberater zu einer anderen Schweizer Bank wechseln können. Aber das hat man nicht wahrhaben wollen. Man lernt halt nie aus.

Jede Woche beantwortet Oswald Grübel eine Leserfrage. Schicken Sie Ihre Frage an den ehemaligen UBS- und CS-Chef: gruebel@sonntagonline.ch

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