Der Kommentar: Kaum ein anderes Land hat eine so hohe Zahl an gemeinnützigen Stiftungen wie die Schweiz. Hierzulande gibt es bei 8 Millionen Einwohnern rund 13 000 Stiftungen; viele davon sammeln Spenden für wohltätige Zwecke. Die Schweizer – ein Volk von Spendern.

Beim Spenden denken wir primär ans Geldgeben. Vergessen geht dabei oft eine ganz andere Form des Spendens. Bei Organspenden sind wir alles andere als spitze. Nirgendwo sonst in Mitteleuropa gibt es so wenig Spender wie hier. Nur 14 von 1 Million Schweizern spenden nach ihrem Tod ein Organ. Zwar wären 81 Prozent der Schweizer grundsätzlich bereit, nach ihrem Tod ein Organ zu spenden. Doch tatsächlich tun es nur die wenigsten.

Es liegt in der Natur der Sache, dass sich niemand gerne mit unangenehmen Themen auseinander- setzt – erst recht nicht mit dem eigenen Tod. Und wenn uns ein geliebtes Familienmitglied verlässt, sind wir mit der Bewältigung unserer Trauer beschäftigt. Wer denkt da noch an Organspenden? In vielen Ländern gibt es deshalb die automatische Organspende: Wer sich nicht ausdrücklich dagegen ausspricht, dem dürfen nach dem Tod die Organe entnommen werden. Spanien oder Österreich haben Erfolg damit.

Das ist nicht der richtige Weg für die Schweiz. Spenden muss freiwillig bleiben. Denn wer sich bewusst ist, dass man im Unglücksfall einem anderen Menschen das grösste Glück beschert, der braucht keinen Zwang. Aber wer das nächste Mal vor Weihnachten Geld spendet, könnte sich auch Gedanken über einen Organspenderausweis machen.

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