Der Erfolg der Freikirchen verleitet zur Folgerung, Katholiken und Reformierte müssten es ähnlich machen: Jünger, hipper, zeitgeistiger werden. Das aber wäre grundfalsch. Wer genau das sucht, wird sich immer für die Freikirchen entscheiden. Die Landeskirchen müssen zu ihren Wurzeln stehen. Sie beeindrucken gerade dadurch, dass sie nicht wendig und trendig sind, sondern sich den Launen des Zeitgeistes verweigern. Das hat heutzutage etwas wohltuend Rebellisches, Unangepasstes.

Entscheidend ist der Inhalt und nicht die Verpackung. Und da sind Katholiken und Reformierte verglichen mit den Freikirchen auf beinahe frivole Art und Weise modern. Wenn es um Homosexualität geht, ist Papst Franziskus offener als die Freikirchen: Er will Schwule nicht «heilen» und sagte explizit, er verurteile Homosexualität nicht. Die Studie zu den Freikirchen zeigt ein ganz anderes Bild: 89 Prozent der Freikirchler lehnen homosexuelle Beziehungen ab. Und 66 Prozent verurteilen Sex vor der Ehe. Auch da ist die katholische Kirche mit ihrer barocken Haltung lebensnäher: Eigentlich sollte man schon zuerst heiraten, aber entscheidend ist es nicht. Das ist so schön widersprüchlich wie das Leben selbst.

Überhaupt, Papst Franziskus: Er zeigt, dass sich die katholische Kirche bei aller Trägheit eben doch bewegt, dass konservativ auch ohne gekünstelte Jugendlichkeit modern sein kann. Die Wirkung des neuen Papstes ist verblüffend: Die Kirchenaustritte haben seit seinem Amtsantritt in der Schweiz abgenommen, es kommt sogar zu Wieder- und Neueintritten. Und das ganz ohne «Celebrations».

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