Der Kommentar: Der Fall ist grausam und tragisch, die Betroffenheit gross. Es stellt sich die Frage der Schuld. Trägt diese die Mutter alleine oder muss sich auch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Mitverantwortung vorwerfen lassen? Immerhin hat sie angeordnet, die zwei- und fünfjährigen Kinder der Mutter wegzunehmen und sie in einem Heim zu platzieren.

Für die Gegner der KESB ist der Fall Flaach Wasser auf die Mühlen. Anfang 2013 wurde das Vormundschaftswesen in der Schweiz erneuert. Die Aufgaben der damals abgeschafften Vormundschaftsbehörden übernahm die KESB. An dieser Neuorganisation lassen die KESB-Gegner seither kein gutes Haar, überprofessionalisiert sei die neu geschaffene Stelle. Sie entscheide über die Köpfe der Gemeinden hinweg und das Kindswohl bleibe auf der Strecke, lauten die Vorwürfe.

Diese Kritik muss erlaubt sein und sorgfältig aufgearbeitet werden. Wichtig ist auch, dass die KESB nach diesem Vorfall überprüft, welche ihrer Strukturen greifen und welche nicht. Die Hürde, Kinder fremdzuplatzieren, muss möglichst hoch sein. Die Kritik der Gegner darf nicht einfach mit einem Schulterzucken abgetan werden.

Doch es wäre falsch, den Fall Flaach politisch zu instrumentalisieren und jetzt in eine allgemeine Kampagne gegen die KESB zu verfallen. Bevor man nicht im Detail weiss, was geschehen ist und wer Verantwortung zu übernehmen hat, dürfen die Gegner der KESB nicht Kapital schlagen aus dem Unglück zweier hilfloser Kinder.

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