Am ausgeprägtesten reagierten die staatlichen Stellen dort, wo sie mit grossen Kapitalinfusionen die Lebensfähigkeit der einzelnen Institute erhalten mussten. Sie verlangten, dass die Boni-Auszahlungen zu sistieren seien, "auch wenn sie vertraglich abgesichert sind". Es wurde moralischer Druck auf die Bezüger ausgeübt und in einigen Fällen auch etwas erreicht.

Alles Augenwischerei: die zurückbezahlten oder nicht bezogenen Boni der Schweizer Banken sind weniger als der Verlust, den diese Institute in einem einzigen Tag einfahren. Ein totaler Verhältnisblödsinn der bestenfalls dazu diente, dem Volk etwas zum Frasse vorzuwerfen. Die Bonusdiskussionen sind denn auch prompt in sich zusammengestürzt und sang- und klanglos aus den Tagestraktanden gefallen.

Das "Bonus streichen" haben sich die Banker überhaupt nicht gefallen lassen. Über Nacht wurde ein Ausweg, lies Ersatz, gefunden und auch gleich querbeet angewendet. Statt saftiger Boni werden jetzt noch saftigere Lohnerhöhungen gewährt. Vor allem die oberen Kader und Vermögensverwalter, die riesige Kapitalien verwalten und damit auch Kommissionen scheffeln, werden so bei der Stange gehalten.

Aus Insiderkreisen sickert es von allen Seiten durch: Massive Salärerhöhungen gelten schon als Standard. Merrill Lynch hat dieser Tage die Grundsaläre der oberen Chefs um 60 Prozent (!) und die von mittleren Chargen um 40 Prozent erhöht. Still und leise! Und am Freitag sickerte über den Newsdienst Bloomberg durch, was die Spatzen in New York schon von den Dächern pfiffen: die UBS hat die Saläre ihrer Vermögensverwaltung in den USA um bis zu 50 Prozent (!) erhöht. Ohne Jemandem in der schweizerischen Öffentlichkeit Rede und Antwort stehen zu müssen.

Die Private Banker haben es noch einfacher: Sie machen ihre Topverdiener einfach zu "limited partners". So sind keine Boni, sondern nur noch Gewinnausschüttungen vorzunehmen. Alles in allem: es bleibt wie es war, obwohl sich alles geändert haben soll(te).