Aleppo steht als Symbol für eine humanitäre Katastrophe, wie andere Städte, die deswegen in die Geschichte eingingen: Ende der 1990er-Jahre etwa Srebrenica und Grosny. Nach solchen Tragödien war sich die Weltgemeinschaft immer einig: So etwas darf nie mehr passieren! Es gibt rote Linien, die nicht überschritten werden dürfen. In Syrien und in Aleppo sind laufend rote Linien überschritten worden – etwa als Machthaber Assad Nervengas gegen die eigene Bevölkerung einsetzte. Doch nichts geschah.

Seit 2011 tobt der Bürgerkrieg. Was jetzt passierte, war eine Katastrophe mit Ansage. Hillary Clinton schrieb im Sommer 2014 mit Blick auf die Rolle der USA in Syrien: «Wenn wir nichts tun, gibt es eine humanitäre Tragödie. Wenn wir militärisch eingreifen, riskieren wir, in den nächsten Sumpf gezogen zu werden, wie damals im Irak.» US-Präsident Obama entschied sich gegen eine Intervention, um nicht im Sumpf zu landen, und die Folgen zeigen sich nun in aller Brutalität. In das Vakuum, das die Amerikaner in der Region hinterlassen haben, sind Russland und der Iran getreten. Das Magazin «Economist» bezeichnete Wladimir Putin als «wahren Sieger» in Syrien.

Vor einem Jahr besuchte ich den Friedensnobelpreis-Träger und Ex-Vizepräsidenten von Ägypten, Mohammed ElBaradei, für ein Interview. Er bezeichnete es als «kriminell», dass der Westen keine Bodentruppen nach Syrien schickte. «Nur ein Einmarsch kann dieses Drama beenden. Vier Jahre dauert es nun, und noch immer hat man nichts daraus gelernt.» Inzwischen sind es fünf, bald sechs Jahre. Seine Feststellung gilt noch immer. 400 000 Menschen sind in diesem Krieg bereits umgekommen. Wann endlich hat die internationale Staatengemeinschaft einen Plan, um das Töten zu beenden?

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper.