Der Kommentar: Ranglisten gehören zum «Kassensturz» wie das Oktoberfest zu München. Es gab die feinste Schokolade, die spritzigsten Duschköpfe und die wärmsten Wandersocken – und nun also die konsumentenfeindlichsten Parteien. So weit, so normal. Nur: Wenn Wahlen anstehen, werden Alltäglichkeiten offenbar zum Problem.

Die SVP witterte Wahlpropaganda. Auch FDP-Vizepräsident Christian Wasserfallen ärgerte sich über den «Kassensturz»-Beitrag. «Das geht gar nicht», sagte er. Doch, das geht. Das Leitbild der SRG schreibt zwar vor, dass die Beiträge umso ausgewogener sein müssen, je näher der Wahltermin rückt. Doch ausgewogene Berichterstattung heisst nicht, alle Positionen kritikfrei und ohne Gewichtung wiederzugeben. Dafür ist die Werbung da. Ausgewogene Berichterstattung beruht auf ergebnissoffener Recherche, nicht auf Ideologien. Wer gegen die Konsumenten stimmt, stimmt gegen die Konsumenten. Das hat nichts mit Propaganda oder Ideologie zu tun.

Zu schweigen, anstatt zu berichten, ist nicht das Ende der Ideologie, es ist der Beginn. Das beweist der oft überbordende Wahlkampf in den USA. 2012 wagte es die Moderatorin des Präsidenten-TV-Duells doch tatsächlich, eine Aussage des republikanischen Herausforderers Mitt Romney als Unsinn zu enttarnen. Die konservativen Fox-News-Zuschauer waren empört und verstört über so viel Widerspruch. Noch verstörter waren sie nur, als der in Kenia geborene Kommunist und Muslim Barack Obama doch tatsächlich wiedergewählt wurde. Muss das Schweizer Fernsehen vor den Wahlen
also schweigen und jegliche Kritik vermeiden? Nein. Sonst wird der «Kassensturz» noch zum Demokratiesturz.

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