Der Kommentar: Haben wir in der «Arena» das Gesicht der «neuen UBS» gesehen? Das Gesicht einer Bank, die aus Fehlern gelernt, der Gier abgeschworen und Vertrauen gewonnen hat? Nein. Kaspar Villiger erinnerte mit seinem Auftritt an die alte UBS. Er klang wie sein Vorgänger Peter Kurer. Der verteidigte am 31. Januar 2009 – kurz bevor er zurücktreten musste – die Bonuspolitik der UBS ebenfalls am Fernsehen mit den Worten: «Niemand in der Industrie hat die Boni so stark reduziert wie wir. Aber es wäre das Blödeste, wenn man die variablen Lohnkomponenten jetzt verteufeln würde.»

Villiger argumentiert nun genau gleich: Die UBS habe die Boni massiv gekürzt, aber Boni seien nötig, «sonst laufen uns ganze Teams davon». Zur Erinnerung: Die Bank zahlt rund 3 Milliarden Boni – trotz einem Verlust von 2,7 Milliarden. Weiter verteidigte Villiger das jährliche Gewinnziel von astronomischen 15 Milliarden Franken in drei bis fünf Jahren, ohne dafür einleuchtende Argumente zu liefern. Da erinnert er nicht nur an Kurer, sondern sogar an Vor-Vorgänger Marcel Ospel. Dieser träumte schon von solchen Mega-Gewinnen, erreichte sie aber nie, obwohl er enorme Risiken einging – die fatalen Folgen sind hinlänglich bekannt.

Der 69-jährige Alt-Bundesrat verfügt über eine hohe Integrität. Aber das reicht nicht. Villiger verharrt in der Verteidigung alter Positionen und verpasste am TV die Chance, zum Befreiungsschlag auszuholen. Was wäre das für ein Zeichen gewesen, wenn er zum Beispiel gesagt hätte: «Alle 13 Konzernleitungsmitglieder verzichten nach dem Vorbild von CEO Oswald Grübel auf ihren Bonus, und ich selber habe mir den Lohn von bisher 850 000 Franken halbiert – auf das Niveau eines Bundesrats.» Zumindest bei Villiger selber wäre die Gefahr klein, dass er abgeworben würde.

Kommunikation ist immer auch Symbolik. Das müsste Villiger als Ex-Politiker wissen. Er unterschätzt das Ausmass des Unmuts in Volk und Politik, und er konnte sein Unverständnis über die nicht enden wollende Kritik an seiner Bank nur schlecht verbergen. Obwohl die UBS in den letzten zwölf Monaten wirtschaftlich grosse Fortschritte machte, hat sich ihr Image in der schweizerischen Öffentlichkeit nicht verbessert. Hier hat Kaspar Villiger seine Aufgabe nicht erfüllt.