Der Kommentar: Es gibt den Privatmann Kachelmann und sein bizarres Privatleben. Es gibt aber auch den Geschäftsmann Kachelmann und sein turbulentes Geschäftsleben. Was im Normalfall nichts miteinander zu tun haben sollte, lässt sich hier nicht trennen. Denn die Zukunft seines Lebenswerks Meteomedia ist kausal mit dem Namen Kachelmann verbunden. Auf den ersten Blick verständlich, wenn er seine relative Aktienmehrheit nicht einfach aufgeben will. Doch Kachelmann denkt zu fest an sich selbst. Den verunsicherten Mitarbeitern und frustrierten Aktionären bleibt verborgen, ob jetzt Meteomedia die Zeche bezahlen muss. Sei es wegen Kunden, die abspringen, oder sei es wegen Firmengeldern, die für Anwaltskosten herhalten müssten. Da ist es den Aktionären nicht zu verübeln, wenn sie ihren Gründer aus der Schusslinie nehmen wollen, um Meteomedia zu retten. Doch Kachelmann versteht es als «Putsch». Dabei hätte er in erster Linie eine Verantwortung gegenüber seinen 120 Mitarbeitern. Wahrgenommen hat er sie bisher nicht, wie aus der Meteomedia übereinstimmend zu hören ist. Statt die offenen Punkte zu klären, stellt er sich auf dem Schwäbrig lieber an den Mitarbeiter-Grill und reisst Gefängniswitze.

Viele Medien in Deutschland und der Schweiz haben sich auf die Seite des prominenten TV-Moderators gestellt. Der redegewandte Medienprofi hat sich vor dem Prozess als «Justizopfer» positioniert. Doch ist es so einfach? Halten wir fest: Das vermeintliche Opfer hat bei der Einvernahme nachweislich gelogen. Hat sie deswegen aber die Vergewaltigung erfunden? Halten wir auch fest: Der vermeintliche Täter hat in seinem Privatleben nachweislich gelogen. Ist er deswegen ein Vergewaltiger?

Es sind solch ungemein schwierige Fragen, die das Landgericht Mannheim unter den Argusaugen der Öffentlichkeit zu beantworten hat. Schon jetzt ist klar: Es herrscht ein krasses Missverhältnis zwischen der Juristen-Armada von Jörg Kachelmann und den Möglichkeiten seiner Ex-Freundin. Paradoxerweise haben ihm seine Interviews («Die Zelle war so, wie man es sich für einen Regimegegner in Nordkorea ausmalt») eher geschadet. Kachelmann muss dringend aufräumen. Privat und beruflich.