Glaubwürdig? Egal!
Urs Gehriger, Auslandchef der «Weltwoche», füllt das Sommerloch praktisch im Alleingang. Und er sorgt dafür, dass sich die Medien derzeit vorab mit sich selbst beschäftigen. Denn er hat DIE journalistische Todsünde begangen und abgeschrieben. Nicht nur einmal, mehrfach hat er sich bei andern Zeitungen bedient und im Copy-paste-Verfahren geistiges Eigentum anderer als Eigenleistung ausgegeben.

Nun wäre ein solcher Wiederholungstäter bei jedem anderen Blatt seine Stelle los. Schliesslich ist die Glaubwürdigkeit das wichtigste Verkaufsargument eines Mediums. Vertrauen ist das Kapital, das, einmal verspielt, nur sehr mühselig zurückgewonnen werden kann. Das Schlagwort der Lügenpresse, das derzeit im Internet und an Pegida-Demonstrationen nach 70 Jahren ein beängstigendes Revival erlebt, ist zwar in bester Nazi-Manier reine Propaganda, doch das Gehriger-Gate macht die undifferenzierte Medienkritik ein weiteres Stückchen gesellschaftsfähiger.

Das alles muss die «Weltwoche» jedoch nicht kümmern. Ihre Währung ist nicht die Glaubwürdigkeit. Ihre Währung ist die politische Agenda der SVP. Dass Chefredaktor Roger Köppel für diese Partei in den Nationalrat will, ist nur folgerichtig.

Die «Weltwoche» hat sich längst aus dem seriösen Journalismus verabschiedet und versteht sich als intellektuelle Speerspitze der Rechten. Aggressiv stets auf den Mann (oder noch lieber auf die Frau) spielend, betreibt das Magazin einen Thesenjournalismus der übleren Sorte. Insofern sind die Gehriger-Texte wenigstens sauber recherchiert. Wenn auch nicht von ihm.

david.sieber@schweizamsonntag.ch
Twitter: @CR_Sieber