Der Kommentar: Die Fans sind begeistert, selbst seine Gegner loben Roger Federer in den höchsten Tönen. Tatsächlich sprüht der 34-Jährige vor Spielwitz, vor Selbstvertrauen, bewegt sich wie in seinen besten Tagen, als er das Tennis dominierte.

Doch heute Abend sind die Lobgesänge nichts mehr wert. Nun zählt nur noch der Sieg. Vor drei Jahren gewann Federer zuletzt ein Grand-Slam-Turnier – in Wimbledon. Seither rennt er auf der grössten Bühne dem 18. Titel vergeblich hinterher. Federer kann Djokovic schlagen, auch auf dessen liebster Unterlage, dem Hartplatz in New York. Aber Federer hat Djokovic zuletzt vor drei Jahren bei einem Grand-Slam-Turnier besiegt – im Halbfinal von Wimbledon. Seither hat er zwei bittere Niederlagen kassiert, zweimal den erneuten Triumph im Final von Wimbledon verpasst.

Federer spielt zweifellos eine grossartige Saison. Für alle Tennisprofis der Welt, mit Ausnahme seines heutigen Gegners, wäre das Jahr 2015 bereits ein Erfolg. Nicht für Federer, er hat andere Ansprüche, er will Siege, nicht nur bei Turnieren der zweiten oder dritten Kategorie, sondern auch auf höchster Stufe, bei den Grand-Slam-Turnieren. Heute muss er zeigen, dass er dazu noch in der Lage ist. Vor zwei Monaten scheiterte er in Wimbledon an Djokovic. Nicht weil der überragend spielte, sondern weil Federer im Final nicht mehr sein bestes Tennis auspackte, blockiert wirkte. Das darf ihm nicht mehr passieren. Heute braucht es den alten Federer, den einst unbestrittenen Chef. Der immer dann zur Bestform auflief, wenn am meisten auf dem Spiel stand. Ansonsten endet das US Open für den Schweizer trotz brillanten Auftritten mit einer Enttäuschung.

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