In der Politik geht es also vor allem ums Geld. Warum wählen wir denn überhaupt? Weil wir den Politikern unsere Steuergelder anvertrauen und ihnen die Hoheit über die Staatsfinanzen abtreten. Hätten die Politiker keine Macht über diese öffentlichen Geldtöpfe, müssten wir sie auch nicht wählen. In der Politik geht es also ganz entscheidend ums liebe Geld.

Seit dem Entscheid der Nationalbank, den Mindestkurs aufzuheben und Negativzinsen einzuführen, steht die Welt des Geldes gewissermassen auf dem Kopf. Denn wenn sich der Staat verschuldet, muss er keine Zinsen mehr bezahlen, sondern erhält sogar Geld dafür. Die Schweiz ist das erste Land weltweit, das eine zehnjährige Staatsanleihe mit einem Negativzins platzieren konnte. Geschehen ist dies letzte Woche und sorgte für internationale Schlagzeilen.

Vertreter der Privatwirtschaft regen nun an, dass der Staat diese historische Chance nutzt und gescheite Investitionen tätigt. Auf die lange Bank geschobene Infrastrukturprojekte könnten vorgezogen oder Wohnungen gebaut werden. Banker wie Oswald Grübel oder Lenny Fischer sind keine romantischen Schwärmer, sondern kühle Rechner. Sie wissen: Was sich derzeit auf den Märkten abspielt, ist einmalig und wird so schnell nicht wieder zurückkommen.

Die Schweizer Politik sollte die Gelegenheit beim Schopf packen und Gratisgeld gezielt in Projekte stecken, die langfristig eine vernünftige Rendite abwerfen und die Wirtschaft ankurbeln. Machen wir uns nichts vor: Unsere öffentliche Infrastruktur ist längst nicht so gut, wie wir immer meinen. Das weiss jeder, der öfters mit dem Zug unterwegs ist. Es ist unvernünftig, bei Negativzinsen zu sparen. Deshalb sollte die Politik darüber nachdenken, die Schuldenbremse ausser Kraft zu setzen. Sie ist
keine heilige Kuh.

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