Dafür gab es auch keinen Grund. Die Art und Weise, wie die Belegschaft informiert – oder eben: nicht informiert – wurde, war hanebüchen. «Die Medien haben schneller reagiert, als wir gedacht haben», sagte Personalchef Walter Hiltbrunner im «Blick». Mit Verlaub: Wo lebt der Mann? Wenn Mitarbeiter aus den Medien erfahren, dass ihr Job in Gefahr ist, dann ist das nicht nur schlechte Kommunikation, sondern auch ein Zeichen von mangelnder Wertschätzung. Es ist schlicht schäbig.

Jetzt steht Koopmann hin und sagt: «Das tut mir leid.» Er zeigt damit Grösse. Wir nehmen es ihm ab und messen ihn daran, wie die Verhandlungen mit den Sozialpartnern ablaufen werden. Wenn ein Unternehmen – in diesem Fall von Paris aus – den Kahlschlag verordnet, schlägt in der Regel die Stunde der Weichspüler: Statt Entlassungen heisst es «Stellenplan» und der Sozialplan mutiert zu «flankierenden Massnahmen» in einem «laufenden Prozess».

Den Vogel abgeschossen hat aber Thomas Lütolf, Leiter Standortmarketing Baden. Schweizer Radio DRS zitierte ihn damit, dass der Entscheid keine Tragödie sei. Es würden ja «immer noch viel mehr Leute dort arbeiten als vor vier Jahren». Das Bekenntnis zum Standort Baden sei für die Stadt «langfristig wichtiger als das kurzfristige Auf und Ab beim Personal». Moment. Reden wir vom grössten Arbeitgeber in der Region? Geht es um Maschinen oder um Menschen?

Weitaus besser agiert hat Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann. Der gewiefte Ex-Gewerkschafter hat den Fall Alstom zur Chefsache gemacht und sich aus den Ferien mit der Idee der Kurzarbeit eingeschaltet. Dafür gab es sogar Lob von bürgerlichen Politikern. Hofmann hat klar gesagt, was der Abbau ist: eine traurige Nachricht. Jetzt muss Teilzeit-Präsident Koopmann an die Front und sich den Mitarbeitern stellen. Seine Ingenieure und Arbeiter erwarten es. Und haben es auch verdient. Es ist eine Frage des Respekts vor ihrem Einsatz für die Firma.