Der Kommentar: Die Verblüffung in der Fraktion war gross, als der Sieger der Ausmarchung um das SP-Fraktionspräsidium verkündet wurde: Nationalrat Tschümperlin. So gross, dass niemand klatschte, wie das üblich wäre. Im Lager von Nationalrätin Fehr war die Konsternation grenzenlos.

Die Wahl geriet zu einer eigentlichen Abrechnung mit Jacqueline Fehr. Es ging offensichtlich nicht um die politische Ausrichtung, sondern um die menschliche Komponente. Auch wenn mit Tschümperlin der eindeutig Mitte-orientiertere Politiker siegte.

Eine Kombination von Gründen führte zu Fehrs Niederlage. Zu viele SP-Parlamentarier hatten «schon ein negatives Erlebnis» mit ihr, wie ein Parlamentarier im «Tages-Anzeiger» anonym sagte. Auch Fehrs ausgeprägter Führungswille war vielen ein Dorn im Auge.

Sie wollten einen integrativen Chef, einen Coach, der sich persönlich zurückhält. Und: Es war der Parteitag von Lausanne, der nachwirkte. Vor allem die Berner SP-Parlamentarier und die Ständeräte hatten Fehr ihr aktives Eingreifen für die Revolution am Parteitag nicht verziehen.

Die Präsentation des neuen Fraktionspräsidiums vor den Medien sprach Bände. Strahlende Gesichter und kein Wort des Bedauerns Fehr gegenüber. In der «Aargauer Zeitung» liess sich Ständerätin Anita Fetz, die neue Vizefraktionschefin, gar mit dem Satz zitieren: «Es gibt keinen Mitleidbonus.»

Das ist bitter, sehr bitter für eine Parlamentarierin, welche die SP-Politik seit 14 Jahren massgeblich mitprägt, die 2009 als bestvernetzte Parlamentarierin galt, 2010 Bundesratskandidatin war und 2011 hinter Daniel Jositsch das zweitbeste SP-Wahlergebnis im Kanton Zürich aufwies. Dass die Fraktion eine ihrer Galionsfiguren auf diese Art abschoss, ist nur schwer zu verstehen.